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Was kennzeichnet eine gute Streitkultur? Wie konstruktiv streiten lernen?

Wie erreicht man eine gute Streitkultur? (© Jesadaphorn / Fotolia)

Was kennzeichnet eine faire Streitkultur und wie kann man sie umsetzen?

Das Streiten lernen wir eigentlich schon im Kindergarten. Unter Erwachsenen gibt es einige, die an sozialer Kompetenz seitdem nicht viel dazugelernt haben. Leider kann man in solchen Fällen nicht selbst auf die altbewährten Konfliktlösungsstrategien der Frühkindphase zurückgreifen und dem Kollegen das Schäufelchen überziehen. Zumindest wenn man sich nicht sowieso beruflich neu orientieren wollte ;-). Eine konstruktive Streitkultur ist daher unerlässlich für den Büroalltag und die Umsetzung fällt eigentlich auch nicht schwer. Dazu müssen lediglich ein paar grundlegende Regeln für faires Streiten beachtet werden.

Der erste Schritt: die Streitkultur Definition!

Das wichtigste Element einer konstruktiven Streitkultur ist der gegenseitige Respekt aller Beteiligten. Konflikte müssen besonders im Berufsleben offen ausgetragen werden, um eine zielführende Arbeitsweise zu ermöglichen. Jedoch sollten zwischenmenschliche Beziehungen dabei möglichst wenig strapaziert werden. Regeln für faires Streiten können helfen, rücksichtsvoller miteinander umzugehen. Die sachliche Auseinandersetzung mit Problemen muss in den Vordergrund gerückt werden.

Konstruktiv zu streiten ist niemals möglich, wenn Beteiligte persönlich angegriffen werden. Dies führt lediglich zu schlechter Stimmung im Büro und wirkt sich auf die Effektivität einer Abteilung aus. Ein Arbeitsklima hingegen, das von Wertschätzung für jeden Mitarbeiter geprägt ist, stellt eine wichtige Grundlage für unternehmerischen Erfolg dar. Vor allem für junge Menschen ist die Stimmung in einem Unternehmen häufig ein entscheidender Faktor bei der Wahl des Arbeitsplatzes. Eine konstruktive Streitkultur ist nicht nur deshalb bares Geld wert. Sie ist auch angenehm für Mitarbeiter und steigert deren Produktivität. In einer Umfrage des Instituts für Wirtschaftsmediation und Kommunikationsmanagement konnten jedoch nur 40 % der Befragten Unternehmer angeben, dass sie mit der Streitkultur in ihrem Betrieb zufrieden sind (www.mittelstand-die-macher.de/management/personal/studie…).

Richtig streiten - hart aber fair | 10 goldene Streitregeln bei AOK-ON (Screenshot aok-on.de/gesundheit-leben/streiten-hart-aber-fair.html am 05.01.2017)

Richtig streiten – hart aber fair | 10 goldene Streitregeln bei AOK-ON (Screenshot aok-on.de/gesundheit-leben/streiten-hart-aber-fair.html am 05.01.2017)

Streitkultur entwickeln: Wie lernt man konstruktiv zu streiten?

Um eine gelungene Streitkultur zu entwickeln, ist vor allem Ausdauer gefragt. Es ist ähnlich wie bei einer Diät. Eigentlich weiß jeder, welche Lebensmittel gesund sind. Die Schwierigkeit liegt darin, dauerhaft von schlechten Angewohnheiten loszukommen. Bei Konflikten im Berufsalltag ist das nicht anders. Den anderen Ausreden lassen, keine Strohmänner aufzubauen, Verzicht auf Killerphrasen und den Gesprächspartner nicht verächtlich zu behandeln, all das sind naheliegende Regeln für faires Streiten. Trotzdem fällt es schwer, sie dauerhaft zu berücksichtigen. Besonders wenn man auf Mitarbeiter trifft, die keinen Wert darauf legen, richtig streiten zu lernen. Denn sind die Beziehungen zwischen Kollegen erst einmal vergiftet, ist es sehr schwer, wieder zu einem guten Miteinander zurückzufinden (siehe auch: Kalte Konflikte). Daher ist es ratsam, bereits präventiv eine gute Streitkultur zu lernen. Denn Auseinandersetzungen wird es immer geben, wenn Menschen aufeinandertreffen. Die Frage ist stets, wie damit umgegangen wird.

Konfliktkultur / Streitkultur | 12 Tipps im Umgang mit Konflikten (PDF; Screenshot konfliktkultur.at/downloads/Streiten.pdf 05.01.2017)

Konfliktkultur / Streitkultur | 12 Tipps im Umgang mit Konflikten (PDF; Screenshot konfliktkultur.at/downloads/Streiten.pdf 05.01.2017)

Was kann man gegen eine schlechte Streitkultur tun?

Das Gute ist, dass man auch als Einzelperson meistens schon durch eine Änderung des eigenen Verhaltens etwas bewirken kann. Ein erster Schritt kann darin bestehen, dass man die eigenen Ansichten und Emotionen ausblendet, um einen Konflikt auf der Meta-Ebene zu betrachten (siehe Metakommunikation).

Interessen und Bedürfnisse hinter dem Streit?Überlegen Sie sich, welche unterschiedlichen Interessen und Bedürfnisse zu Streitigkeiten führen. Häufig wird nämlich im Streit nicht über das eigentliche Problem diskutiert, sondern man verheddert sich in der Darstellung unzähliger Nebenschauplätze (siehe auch: Konflikt Ursachen). Oft hilft es dann schon, im Gespräch das eigentliche Problem anzusprechen. Dabei sollten Sie auf jeden Fall dem Gegenüber das Gefühl geben, dass Sie seine Bedürfnisse verstehen und ihn nicht deswegen verurteilen. In manchen Fällen kann ein Streit durch ein solches Vorgehen allerdings auch eskalieren. Dies gilt vor allem, wenn ein Beteiligter Interessen hat, die er selbst für verwerflich hält und deswegen nicht zugeben möchte.

In solchen Fällen sollten natürlich ebenfalls die Regeln für faires Streiten beachtet werden. Greifen Sie nicht selbst in die Kiste der verbotenen Rhetorik, auch wenn Sie es mit sehr schwierigen Kollegen zu tun haben. Es wird sich langfristig auszahlen. Auch deshalb, weil Außenstehende bei der Bewertung von Auseinandersetzungen dazu tendieren, beiden Beteiligten die Schuld an einem Konflikt geben. Wer sich ständig mit einem Kollegen streiten muss, weil er von diesem regelmäßig provoziert wird, wird oft selbst als besonders streitsüchtig wahrgenommen. Um solche Probleme eleganter zu lösen, sollte man sich mit unterschiedlichen Arten von Konflikten befassen (siehe auch: karrierebibel.de/konflikte-loesen-mit-kollegen/)

Wie lässt sich als Führungskraft eine gute Streitkultur entwickeln?

Indem Sie mit gutem Beispiel vorangehen! Helfen Sie Ihren Mitarbeitern, indem Sie ihnen das vorleben, was Sie selbst von ihnen erwarten (siehe auch Führungskräfteentwicklung).

  1. Behandeln Sie Ihre Untergebenen stets mit Respekt. Besonders wenn es sich um schwierige Gespräche oder schwierige Persönlichkeiten handelt. Die Perspektive des Gegenübers einzunehmen kann dabei helfen, sich nicht von eigener Wut oder Abneigung leiten zu lassen.
  2. Machen Sie auch anderen Mitgliedern Ihres Teams klar, dass Sie unfaires Verhalten gegenüber anderen nicht tolerieren. Eine Führungskraft setzt mit dem eigenen Verhalten Standards, die automatisch von anderen übernommen werden. Das ist ein starker Hebel, mit dem auf die Gestaltung der Arbeitsatmosphäre Einfluss genommen werden kann. Nutzen Sie ihn! Die Definition der Streitkultur liegt dabei in Ihrer Hand (siehe auch: Führungskommunikation).
  3. Natürlich können und sollen Sie nicht alle Interaktionen zwischen den Angestellten überwachen. Deshalb sollte vor allem indirekt auf ihr Verhalten eingewirkt werden. Eine gute Möglichkeit sind hierfür Seminare, die sich speziell mit dem Thema auseinandersetzen (siehe auch: Transaktionsanalyse Übungen). Eine positive Streitkultur zu lernen, ist für beinahe jede Arbeitsgemeinschaft möglich. Denn letztendlich liegt dies im Interesse aller Beteiligten.
Konstruktive Streitkultur: 4 Arten mit Konflikten umzugehen (Screenshot www.umsetzungsberatung.de/unternehmenskultur/streitkultur.php am 05.01.2017)

Konstruktive Streitkultur: 4 Arten mit Konflikten umzugehen (Screenshot www.umsetzungsberatung.de/unternehmenskultur/streitkultur.php am 05.01.2017)

Ein gelungenes Miteinander sollte natürlich immer das Ziel eines Unternehmens sein. Je besser die Beziehungen zwischen den Mitarbeitern sind, desto seltener kommt es vor, dass Streitigkeiten eskalieren und Arbeitsabläufe blockiert werden. Allerdings ist es ebenfalls schwierig, wenn die Stimmung zu harmonisch ist und Konfliktherde überhaupt nicht angesprochen werden. Oftmals müssen dann ab einer gewissen Schmerzgrenze auf einmal alle Probleme beseitigt werden (siehe auch: Konflikt Phasen). Richtig streiten zu lernen ist auch deshalb sinnvoll, weil Schwierigkeiten früh angesprochen werden können. Auf diese Weise ist es möglich, Interessen und Bedürfnisse rechtzeitig abzuklären und optimale Lösungen zu finden.

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