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Was versteht man eigentlich unter... Metakommunikation (Metaebene)?

Metakommunikation Definition / Metaebene Erklärung (© doppelganger4 / Fotolia)

Wir alle kennen Störungen in der Kommunikation. Oft versucht man, jemandem etwas begreiflich zu machen, was aber einfach nicht gelingen will. Viele Menschen kennen auch die Situation, dass sie sich beruflich oder privat immer wieder missverstanden fühlen. Es bringt wenig, solche Situationen, gerade wenn sie sich häufen, einfach hinzunehmen und sich weiter zu ärgern. Zielführender wäre es, genauer zu untersuchen, was im Gespräch falsch läuft und wie es zu Missverständnissen und unklaren Botschaften kommen kann.

Um herauszufinden, welche Probleme einer gestörten Kommunikation zugrunde liegen, muss man sich auf die Ebene der so genannten Metakommunikation begeben. Friedemann Schulz von Thun und Paul Watzlawick lassen grüßen!

Definition Metakommunikation / Metaebene

Metakommunikation DefinitionEine alltagstaugliche Definition von Metakommunikation lautet „Reden über das Reden“. Man bespricht also auf einer Ebene über der eigentlichen Kommunikation im Sinne eines Gespräches an sich das, was Kommunikation ausmacht. Die Metakommunikation spielt meistens dann eine Rolle, wenn die Kommunikation zwischen zwei Menschen oder generell zwei Gruppen gestört ist.

Warum läuft unsere Kommunikatoin nicht so gut?!Ziel der Metakommunikation ist es dabei, auf der so genannten Metaebene herauszufinden, warum Kommunikation nicht wie gewünscht gelingt und wo genau die Störquellen liegen.

Wer sich auf die Metaebene begibt, kann viel über sein eigenes Kommunikationsverhalten herausfinden und auch lernen, wie man dieses für berufliche oder private Belange zielführender und konstruktiver gestalten kann.

Das Vier-Ohren-Modell der Kommunikation - hilfreich für die Metakommunikation bzw. Klärung von Kommunikationsstörungen durch Betrachtung der jeweiligne Metaebene der Konversation (© Photoshooter / Fotolia)

Das Vier-Ohren-Modell der Kommunikation – hilfreich für die Metakommunikation bzw. Klärung von Kommunikationsstörungen durch Betrachtung der jeweiligne Metaebene der Konversation (© Photoshooter / Fotolia)

Schulz von Thun und die Metakommunikation

Der Sprachwissenschaftler Schulz von Thun hat sich mit den vier Teilen einer Nachricht beschäftigt, aus denen nach seiner Überzeugung jede Aussage besteht. Treten wiederholt Probleme zwischen Sender und Empfänger einer Botschaft, also zwischen zwei Gesprächspartnern auf, kann das Modell Schulz von Thuns helfen, um sich auf die Metaebene zu begeben und die Problematik genauer zu identifizieren.

Das Modell der vier Seiten einer Nachricht nach Schulz von Thun soll anhand der folgenden Beispiele Erklärung finden. Angenommen wird die Situation, dass eine Frau zu ihrem Partner sagt: „Der Müll müsste auch mal wieder rausgebracht werden.“

„Der Müll müsste auch mal wieder rausgebracht werden.“

Metakommunikation Beispiel nach Schulz von ThunVon Thun identifiziert hierbei zunächst die Sachebene – der Mülleimer ist voll. Wenn wir miteinander reden, geht es jedoch praktisch immer um mehr als die reine Sachinformation. Wichtig ist deswegen auch die so genannte Selbstoffenbarung auf der Selbstoffenbarungsebene: was erfahren wir über den Sender einer Botschaft?

Im folgenden Fall ist der Äußerung zu entnehmen, dass die Frau wohl einen Blick über den Haushalt hat und der volle Mülleimer, der schon länger nicht mehr geleert worden ist, sie stört.

Nun kommt die Beziehungsseite der Aussage ins Spiel. Praktisch jede Äußerung sagt auch etwas darüber aus, in welcher Beziehung zwei Gesprächspartner zueinander stehen. Im vorliegenden Fall könnte man vermuten, dass sie sich einerseits als Partner zwar nah sind, andererseits aber zumindest seitens der Frau Unmut über die Aufgabenteilung im Haushalt besteht und sie wohl eher den Mann als denjenigen ansieht, der den Müll mal wieder wegbringen sollte.

Eine oft entscheidende Ebene ist die des Appells. Viele Aussagen enthalten bewusst oder unbewusst eine Aufforderung an den anderen, etwas zu tun oder zu lassen. In diesem Fall ist die Botschaft klar: Der angesprochene Mann soll den Müll endlich wegbringen!

Auf welcher Kommunikationsebene versteckt sich das Problem?Probleme in der Kommunikation entstehen oft daraus, dass Gesprächspartner sich dieser unterschiedlichen Ebenen und ihrer Wirkung nicht bewusst sind. Manchmal wird eine Äußerung auch durchaus als Vorwurf aufgefasst und man ärgert sich dann vor allem darüber, dass nicht auf der Sachebene klar mitgeteilt wird, was stört, sondern dass sich unklarer Botschaften bedient wird. So hätte im erwähnten Fall die Frau auch zu ihrem Partner sagen können: „Kannst du bitte den Müll wegbringen?“

Bücher rund um die Metaebene in der Kommunikation: Best of Friedemann Schulz von Thun

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"Miteinander reden: Fragen und Antworten" von Friedemann Schulz von Thun (Amazon, 3499619636)

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Watzlawick und die Metakommunikation

Watzlawick: Beziehungsebene vs. InhaltsebeneÄhnlich wie von Thun argumentiert auch Paul Watzlawick. Auch nach Watzlawick sind Probleme, vor allem solche im privaten Bereich, meistens nicht auf der Sachebene verortet, sondern vielmehr in der Beziehungsebene zu suchen. So unterscheidet er in seinen Erklärungen die Inhaltsebene und die Beziehungsebene. Praktisch jede Botschaft spielt sich auf diesen beiden Ebenen ab, aber zu oft wird die Beziehungsebene dazu missbraucht, unangenehme Botschaften verschlüsselt rüberzubringen, um sich nicht der klaren Äußerung auf der Sachebene stellen zu müssen.

Kommunikation auf der Metaebene als LösungszugangWatzlawick sieht die Lösung solcher Probleme in der Metakommunikation. Das Problem des unklaren Sprachgebrauchs und der verschlüsselten Botschaften muss als solches erkannt und benannt werden, damit das Kommunikationsverhalten sich entsprechend ändern kann.

YOUTUBE: Axiome der Kommunikation nach Watzlawick – Erklärung, Beispiele für jedes Axiom (youtube.com/watch?v=EktkbhKCwyo)


Bücher: Best of Paul Watzlawick

"Man kann nicht nicht kommunizieren" (Amazon, 3456856008)

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"Menschliche Kommunikation: Formen, Störungen, Paradoxien" von Paul Watzlawick (Amazon, 3456857454)

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Die Methode NLP und die Metakommunikation

Neurolinguistisches Programmieren, kurz NLP genannt, ist ein Oberbegriff für Sammlungen bestimmter Methoden und Techniken der Kommunikation, die auf Veränderung des Kommunikationsprozesses hin gerichtet sind. Dabei geht man davon aus, dass bestimmte Vorgänge im Gehirn mittels Sprache unter Einsatz wiederkehrender systematisierter Handlungsanweisungen verändert werden können, um bestimmte Ziele zu erreichen. NLP ist im Bereich der Metakommunikation insofern bedeutend, als Anwender davon ausgehen, dass auch ungünstigem Verhalten von Menschen oft ein innerer Plan zugrunde liegt, den man mittels klarer sprachlicher Anweisungen durchbrechen kann. So werden beispielsweise ungünstige Verhaltensweisen, die man oft innerlich ritualisiert hat, als solche aufgedeckt und man versucht, neue Verhaltensweisen zu etablieren, indem der Klient klare Anweisungen erhält. Damit gemeint sind aber nicht in erster Linie Handlungsanweisungen, was er in einer konkreten Situation auf der Sachebene tun oder einem anderen mitteilen soll. Vielmehr geht es hier darum, zum Beispiel verinnerlichte Glaubenssätze, die unser Gehirn tief abgespeichert hat und die uns im täglichen Leben oftmals viel stärker beeinflussen, als wir glauben, durch neue Glaubenssätze zu durchbrechen.


Tipps rund um die Metakommunikation im Alltag

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Die Psychologie hat herausgefunden, dass vor allem bei der Kommunikation im Alltag oft schon wenige, einfache Regeln helfen können, Gespräche zwischen Menschen positiver und im Hinblick auf eine Zielsetzung effizienter verlaufen zu lassen.

Spielregeln rund um die Kommunikation kann man schon bei sehr jungen Kindern einführen. Wichtig ist, hierbei zwar altersangemessen, aber dennoch konsequent auf die Einhaltung solcher Regeln zu achten. Wer gutes Kommunikationsverhalten bereits in jungen Jahren lernt, verinnerlicht gewisse Haltungen und Einstellungen und kann somit als Erwachsener viel effizienter kommunizieren und wird meist als angenehmer Gesprächspartner empfunden. Natürlich müssen gerade Kinder keine Fachbegriffe rund um die Metasprache kennen. Anhand einfacher Beispiele kann man aber auch schon Kindergarten- und Schulkindern verdeutlichen, dass die Wirkung von Aussagen nicht nur von dem abhängen, was wir sagen, sondern vor allem, wie wir es rüberbringen (siehe auch: emotionale Intelligenz bei Kindern und Sozialkompetenz bei Kindern).

Gelingende Kommunikation bedarf keiner komplizierten Regeln. Wichtig ist zum Beispiel zu vereinbaren, dass immer nur eine Person spricht und die andere währenddessen bemüht sein muss, aktiv zuzuhören. Hilfreich hat sich auch eine Kultur der offenen Kommunikation erwiesen, in der man sich gegenseitig zeitnah Rückmeldung darüber gibt, wie man das Gespräch als solches gerade empfindet. Dies kann auch für Kinder ebenso interessant wie wichtig sein. Es ist ungemein hilfreich, schon sehr jungen Kindern ausreichend angemessene Wörter an die Hand zu geben, mit denen sie ihre Gefühle während eines Gespräches oder einer Auseinandersetzung beschreiben können. Wer verbal ausdrücken kann, wie er sich fühlt, bemüht seltener die körperliche Auseinandersetzung und muss auch weniger zu verbalen Entgleisungen greifen, um auf die eigene Missstimmung aufmerksam zu machen (vgl. Gefühle ausdrücken).

Buch: "So gelingt Kommunikation: Eine praktische Anleitung von A bis Z" von Norbert Franck (Amazon, 3407366256)

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So kann auch eine wichtige Regel lauten, dass alle Beteiligen eines Gespräches sich um die aufrichtige Haltung bemühen müssen, einander zu verstehen. Dabei geht es nicht nur um die Sachebene, sondern vielmehr um die Ansichten und Bedürfnisse, die der jeweils andere mitteilen möchte. Wer ein Gespräch mit der Einstellung beginnt, dem anderen empathisch maximales Verständnis entgegenbringen zu wollen und sich bewusst bemüht, sich in den anderen hineinversetzen zu können, kann oft mehr Empathie aufbringen. Eine weitere Regel sollte selbstverständlich sein, ist es allerdings weder privat noch beruflich: Ein angemessener Sprachgebrauch, der ohne Beleidigungen und andere Formen der verbalen Gewalt auskommt (siehe auch Streitkultur), muss Konsens aller Beteiligten sein.

Zum Weiterlesen:

Wie erreicht man eine gute Streitkultur? (© Jesadaphorn / Fotolia)

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Das Streiten lernen wir eigentlich schon im Kindergarten. Unter Erwachsenen gibt es einige, die an sozialer Kompetenz seitdem nicht viel dazugelernt haben. Leider kann man …

Das Kommunikationsmodell von Schulz von Thun: die Selbstoffenbarungsebene (© thingamajiggs / Fotolia)

Selbstoffenbarungsebene

Nach dem psychologischen Kommunikationsmodell von Schulz von Thun gibt es vier Ebenen der Kommunikation, die „vier Seiten einer Nachricht“:

die Sach-Ebene,
die Beziehungs-Ebene,
die Appell-Ebene und
die Selbstoffenbarungs-Ebene.

Auf der Selbstoffenbarungsebene gibt der Sender einer Nachricht etwas über seine Gefühle, …

Ehrlich richtig aufmerksam zuhören (© Faber Visum / Fotolia)

Die vier Arten des Zuhörens

Einfühlungsvermögen (Empathie) hat viel mit richtigen Zuhören zu tun. Was dabei als „richtig“ erachtet wird, hängt vom individuellen Ziel und der eigenen Einstellung zum Gesprächspartner und zum Thema zusammen. Grundsätzlich ist es für das Verständnis …

Gefühle des Anderen ausdrücken und so empathisch Verständnis zeigen (© Andreas Wolf / Fotolia)

Verbalisierung von Fremdgefühlen: Die Gefühle des Anderen in Worte kleiden

Der wesentliche Unterschied zwischen der dritten und vierten Art des Zuhörens („Umschreibendes Zuhören“ und „Aktives Zuhören“) liegt darin, die beim Gegenüber in seiner Aussage mitschwingenden Gefühle, allgemeiner die Informationen auf der Selbstoffenbarungsebene zu erkennen und …

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