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Gesprächsstörer – Was provoziert Reaktanz?

Widerstände in Gesprächen resultieren meist weniger aus dem, was Sie sagen, sondern aus der Art und Weise, wie Sie etwas sagen. Problematisch ist vor allen Dingen die häufige und beständige Verwendung so genannter Gesprächsstörer.

Es gibt eine Vielzahl Reaktanz provozierender Gesprächsstörer – und leider finden wir sie fast ständig in unserer täglichen Kommunikation. Kollegen, Freunde oder Familienmitglieder versuchen uns in täglichen Gesprächen und Auseinandersetzungen zum Beispiel durch folgende Gesprächsstörer zu beeinflussen.

  1. Befehlen
  2. Überreden
  3. Warnen und Drohen
  4. Vorschnelles Bewerten
  5. Herunterspielen
  6. Nicht ernst Nehmen, Ironisieren, Verspotten
  7. Lebensweisheiten zum Besten geben
  8. Von sich reden
  9. Ausfragen
  10. Vorschnell Vorschläge, Lösungen und Ratschläge anbieten (siehe auch: ungebetene Ratschläge)

Charakteristische Ursachen von Widerstandverhalten sind die Einschränkung des Verhaltensspielraumes, die Einschränkung von Wahlfreiheiten, die Wahrnehmung mangelnder Wertschätzung, mangelnden Respekts sowie der Versuch der Manipulation und Bevormundung. Der folgende Abschnitt sensibilisiert Sie daher auf die typischen Probleme, die aus den genannten Gesprächsstörern und daraus provozierter Reaktanz resultieren.

Befehlen

Befehle als Kommunikation zwischen Eltern-Ich und Kind-IchEin klassisches Beispiel für Kommunikation aus dem Eltern-Ich an das Kind-Ich ist das Befehlen (siehe auch: Transaktionsanalyse Beispiele).

Sicherlich gibt es unterschiedliche Führungs- und Erziehungsphilosophien, die allesamt ihre Vor- und Nachteile aufweisen. In der heutigen Gesellschaft besteht jedoch zumindest ein breiter Konsens darüber, dass in den meisten Situationen Befehlen weder für Führungskräfte noch für Eltern der richtige Weg ist, jemandem eine Aufgabe zu übertragen. Leider findet sich gerade diese Form der Gesprächsstörer noch immer auf der Tagesordnung in genug Familien und Firmen.

Statt unter Berücksichtigung der Erkenntnisse über Motivierung den Gesprächspartner durch Darlegung der Gründe, Erfordernisse und Rahmenbedingungen dahin zu bekommen, dass er die zu erledigende Aufgabe mit Überzeugung angeht, wird auf diese Weise im besten Fall stupides Ausführen erreicht. Keine gute Grundlage für Spitzenleistungen, die Unternehmenserfolg und Karrieren ausmachen.

Befehlen reduziert Motivation, Selbstwertgefühl, Eigeninitiative und EigenverantwortungWer sich der Befehlsform bedient, unterbindet jede gleichberechtigte Kommunikation, denn Befehlen ist eine unidirektionale Kommunikation „den Dienstweg / die Hierarchie“ hinunter. Wer in der Firma oder Familie zum reinen Befehlsempfänger degradiert wird, fühlt sich weder akzeptiert und für voll genommen, noch wird eine solche Person ehrliches Feedback geben oder Verbesserungsvorschläge und alternative Meinungen und Vorgehensweisen darlegen.

Eine Befehlskultur führt selten zu SpitzenleistungenSie unterbinden durch Befehlen mögliches Verbesserungs- und Effizienzsteigerungspotential auf der einen Seite und zufriedene, kreative und motivierte Mitarbeiter, Freunde oder Familienmitglieder. Eine entsprechende Position und Rolle mit dem dazugehörigen Respekt verhelfen zwar ganz sicher dazu, durch Befehlen das gewünschte Ergebnis zu formal erreichen. Der Zielerreichungsgrad und die Qualität des Ergebnisses werden jedoch maximal Mittelmaß erreichen.

Befehlen schafft schnelle Ergebnisse, aber selten nachhaltige VerhaltensänderungenDas Ergebnis eines Befehls „Räum dein Zimmer auf“ an das eigene Kind fällt deutlich bescheidener aus, als wenn das Kind durch entsprechende Erziehung und eine offene und gegenseitig respektierende Kommunikation dazu gebracht wurde, ein aufgeräumtes Zimmer selbst als gut, richtig und notwendig zu erachten.

Zwar lässt sich mit dem Befehl „Räum dein Zimmer auf!“ auf kurzfristige Sicht vielleicht schneller und einfacher der gewünschte Zustand herbeiführen. Eine Kommunikation allerdings, die auf gegenseitigem Respekt, gemeinsamer Abstimmung und Einfühlungsvermögen beim gegenseitigen Umgang beruht, wird langfristig jedoch das bessere Resultat erzielen: Statt das Aufräumen des Zimmers jedes Mal von Neuem anstoßen zu müssen, ermöglicht eine Kommunikation ohne Befehlen, dass ein Kind mit wesentlich höherer Wahrscheinlichkeit das Zimmer auch einmal von allein aufräumt.

Befehlen fördert Bevormundung und demonstriert auf der Beziehungsseite vor allem MachtKritisch am Befehlen ist meist nicht der Inhalt des Befehls, sondern die bevormundende Art und Weise sowie das Demonstrieren von Macht auf der Beziehungsebene. Niemand wird etwas befehlen, wenn er sich nicht weitgehend sicher ist, dass seine Weisung befolgt wird. Damit zeigt jeder Befehl auf der Beziehungsseite jedoch auch genau dieses Unterstellungsverhältnis. Die Art und Weise, die Unterstellung und generell der Tonfall, in dem befehlsartige Weisungen vorgetragen werden, provoziert mit höchster Wahrscheinlichkeit Reaktanz in einer der oben dargestellten Ausprägungen, z.B. also Trotz, Zuwendung zur verwehrten Alternative o.ä.

Überreden

Ein typischer Kommunikationsstörer ist das Überreden. Die negative Aura, die dieses Wort umgibt, verdeutlicht bereits das zugrunde liegende Problem: Überreden heißt, jemanden zu etwas zu bringen, was er eigentlich nicht will. Ob dies durch geschickten Einsatz von Manipulationstechniken (vgl. z.B. umgekehrte Psychologie / reverse psychology), geschicktes und beharrliches Aufeinandereinreden oder durch Autorität geschieht – in jedem Fall stört Überreden eine ehrliche, offene und langfristig erfolgreiche Kommunikation und Interaktion.

Statt Ihre Energie also auf das Überreden zu konzentrieren, suchen Sie besser die Gründe für die Ablehnung Ihres Gesprächspartners gegenüber einer Sache oder Aktivität. Stellen Sie dann einleuchtende, schlagkräftige und evidente Argumente zusammen, um Ihr Gegenüber zu überzeugen, statt zu überreden. Entscheidend dabei ist, sich in die Lage des anderen zu versetzen und für diese Perspektive zu argumentieren.

Überreden zeugt von mangelndem Interesse und Wertschätzung gegenüber dem Anderen

Versuche des Überredens treten häufig dann auf, wenn sich Gesprächspartner nicht aufmerksam und lange genug zuhören, sich nicht wirklich für Argumente und Meinungen der Gegenseite interessieren oder gar nicht gewillt und in der Lage sind, die Motivation und Gründe des anderen wirklich zu verstehen.

Beständiges Überreden übermittelt unbewusst den Eindruck, die eigenen Meinungen und Interessen über die des anderen stellen zu wollen. Auch wenn es gut gemeint ist und Sie Ihrem Gegenüber „zu seinem Glück verhelfen“ wollen, zeugen penetrante Überredungsversuche von mangelndem Respekt dem Gesprächspartner gegenüber, dessen Meinung, Motivation und Beweggründe zu verstehen zu suchen und zumindest zu akzeptieren.

Wissen Sie wirklich besser als der Andere, was gut für Ihn ist?Im Gegensatz zum Befehlen wird beim Überreden dem Gesprächspartner die Möglichkeit oder zumindest der Eindruck gelassen, selbst zu entscheiden. Reaktanz provozierend ist hier aber die Tatsache, dass man die Entscheidung, was gut bzw. besser wäre, dem Gesprächspartner in bevormundender Weise bereits abgenommen hat. Genau dies führt aber zum Widerstand – Ihr Gesprächspartner hat das berechtige Gefühl, manipuliert zu werden.

Warnen und Drohen

Warnen und Drohen verhindern jede ehrliche und offene KommunikationDie Steigerung von Befehlen und Überreden, häufig sogar Begleiter dieser Gesprächsstörer, ist das Warnen und Drohen. Warnen und Drohen stellt eine weitere Verhaltensweise dar, die jede langfristig offene, ehrliche und erfolgreiche Kommunikation untergräbt.

Wer sein Gegenüber durch aggressives Warnen und Drohen zu einer Verhaltensänderung zu bringen versucht, zeigt unmissverständlich, dass ihm der Standpunkt des anderen und dessen Beweggründe egal sind. Die Kommunikation verläuft in dieser Situation einseitig, selbst wenn das Gegenüber noch durch Rechtfertigung oder sachliche Argumentation eine Diskussion zu erhalten und in Richtung eines Konsenses zu lenken versucht.

Warnen und Drohen muss dabei nicht nur im aggressiv-bedrohlichen Sinn betrachtet werden. Auch gut gemeinte Warnungen können im Charakter von vorschnellen und unerwünschten Ratschlägen ein bedeutender Kommunikationsstörer sein.

Vorwürfe machen

Vorwürfe verhindern konstruktive Dialoge, weil sie den Gesprächspartner in eine Verteidigungshaltung drängenEin häufiger Gesprächsstörer im Alltag sind Vorwürfe und unkonstruktive Kritik. Vorschnelle Beschuldigungen und Verdächtigungen unterbinden jede ausgewogene und erfolgreiche Kommunikation, weil der Betroffene sofort in eine Verteidigungshaltung gedrängt wird: Statt wertfrei Ursachen und Konsequenzen eines Problems zu analysieren, neigt der Betroffene ganz automatisch dazu, sich zu rechtfertigen. Dies ruft in der Regel wiederum neue Streitigkeiten und Unstimmigkeiten auf den Plan, die sofort ausdiskutiert werden.

Durch vorschnelle Vorwürfe gewinnt ein Gespräch oder eine Diskussion in den meisten Fällen eine ganz andere Richtung, die im Sinne einer konstruktiven Problemlösung oder eines nach Objektivität suchenden Gesprächs völlig unerwünscht ist.

Schuldzuweisungen bringen Sie bei Problemlösungen nicht weiterDer Gesprächsstörer „Vorwürfe machen“ ist für eine erfolgreiche Kommunikation deshalb so gefährlich, weil Menschen sehr leicht und häufig dazu neigen, bei Problemen sofort einen Schuldigen zu suchen, um sich selbst vor Vorwürfen und Verantwortung zu schützen. Damit wird aber mit nahezu hundertprozentiger Sicherheit Reaktanz im Gesprächspartner verursacht.

In vielen Fällen verwischt der Vorwurf die Kritik an der Sache mit einer Kritik an der Person. Eine objektive, auf die Sache bezogene Kritik wird dann als Angriff auf die eigene Person wahrgenommen und entsprechend reagiert.

Das Artikulieren von Vorwürfen und Schuldzuweisungen ist also in der Regel unkonstruktiv. Wer so handelt, konzentriert sich auf etwas Negatives, das in den meisten Fällen nicht mehr zu ändern ist. Es wird sich an der Vergangenheit aufgehängt, statt Geschehenes als geschehen abzuhaken und vorwärts bzw. zukunftsbezogen zu kommunizieren.

Auch haftet notorischem Vorwerfen zwischen Freunden, Verwandten oder Familienmitgliedern auf der Beziehungsebene die Aussage an, der andere wäre nicht okay. Dies impliziert den Wunsch oder die Forderung, der andere müsste sich ändern und dann wäre alles besser. Dass Menschen in der Regel jedoch nur beschränkt änderbar sind und eine solche Haltung die soziale und emotionale Kompetenz eines Erwachsenen-Ichs vermissen lässt, beschreibt Thomas A. Harris in seinem Buch „Ich bin O.K., du bist O.K.“ sehr eindrucksvoll.

Bewerten

Zuhören ohne KommentierenNur all zu oft erleben Sie, dass von zwei Personen eine die ganze Zeit spricht, während die andere Person lediglich zuhört. Gerade wenn jemand sich etwas „von der Seele reden“ will oder einfach nur jemanden braucht, der ihm zuhört, kann die Kommunikation zwischen den beiden Personen extrem gestört werden, wenn der Zuhörer Gesagtes vorschnell bewertet.

Vorschnelles Bewerten behindert das Vordringen zum eigentlichen ProblemWer vorschnell bewertet, erfährt zudem häufig gar nicht den Hintergrund einer Situation oder das tatsächliche Problem. Wenn Sie dem Erzählenden bei erster Gelegenheit ins Wort fallen und eine persönliche Einschätzung geben, wird sich dieser in vielen Fällen gezwungen sehen, Dinge richtig zu stellen oder zu rechtfertigen. Das bringt ihn von seinem eigentlichen Erzählfaden ab.

Bewerten als subtiler ÜberlegenheitsbeweisBewerten ist zudem eine subtile Form, dem anderen die eigene Überlegenheit zu beweisen. Dies begründet sich auf der Erfahrung, von Kleinauf an immer von älteren und statushöheren Personen bewertet worden zu sein, sei es von Eltern, Verwandten, Erziehern und Lehrern, Professoren und Vorgesetzten.

Besonders kritisch wird es, wenn Sie dazu neigen, alles und jeden permanent zu bewerten. Das kann für Ihre Gesprächspartner äußerst nervenraubend sein und nach einer Weile dazu führen, dass man Ihnen bestimmte Dinge nicht mehr erzählt, um sich die entsprechende Bewertung oder zumindest Bemerkung dazu zu ersparen.

Bewertung als Einleitung zur SelbstdarstellungBesonders problematisch ist das bewertende Unterbrechen im Gespräch, wenn der Einwurf nicht mit dem Wunsch des Helfens geschieht, sondern lediglich Einleitung für die Selbstdarstellung ist:

„Das finde ich auch gut. Ich hatte da mal eine ähnliche Situation, bei der…“

oder

„Da bin ich mir nicht so sicher. Also bei meiner letzten Freundin, da …“.

In solchen Situationen ist Ihr Gegenüber gar nicht an echtem Zuhören interessiert, sondern will selbst nur reden oder Dinge loswerden (siehe den Gesprächsstörer „Von sich reden“ weiter unten). Auf diese Weise sind ein offenes und respektvolles Gespräch und eine für beide Seiten erfüllende und zufrieden stellende Kommunikation kaum möglich. Gleichzeitig zeugt unterbrechendes Bewerten auch von der anmaßenden Einstellung, das eigene Urteil wäre an der jeweiligen Stelle wichtiger als das, was Ihr Gegenüber fortzusetzen gedachte.

Herunterspielen

Wer bagatellisiert, nimmt sein Gegenüber und dessen Gefühle nicht ernstEin häufiger Gesprächsstörer ist das Bagatellisieren oder Herunterspielen von Problemen, Sorgen und Nöten. Wenn Sie zum Beispiel von etwas reden, das Ihnen Angst macht oder Sie sich schrecklich über einen Fehler ärgern, möchten Sie selten Trost oder Beruhigung, sondern primär, dass man Ihnen erst einmal zuhört. Beginnt Ihr Gegenüber jedoch sofort die Angelegenheit herunterzuspielen, haben Sie schnell den Eindruck, mit Ihren Problemen gar nicht für voll genommen zu werden.

Vorsicht vor vorschnellen BeruhigungsversuchenSprüche wie „Das ist doch aber nicht so schlimm“ oder „Mach dir keinen Sorgen“ liegen uns selbst schnell auf den Lippen, sind aber in einer solchen Situation selten angebracht. Vielmehr möchte der Betroffene empfinden, dass auf ihn und seine Gefühle eingegangen wird.

Bagatellisieren nimmt dem Betroffenen die Einzigartigkeit seines ProblemsDer Gesprächspartner hat auf der anderen Seite den Eindruck, es wäre richtig, seinem Gegenüber jetzt Trotz zu spenden und den Konflikt oder das Problem zu relativieren. Genau damit stört er jedoch die Kommunikation. Das Bagatellisieren und Trösten nimmt dem Betroffenen die Einzigartigkeit und individuelle Bedeutung der Situation oder eines Problems. Verlaufen Gespräche zwischen Eltern und Kindern, Freunden oder Partnern dauerhaft auf diese Weise, führt das früher oder später zu einer resignierenden oder trotzigen Reaktion des Formats „mich versteht doch eh keiner“.

Empathische Kommunikation: Zuhören und mitschwingende Gefühle ansprechenRichtig ist es hier wie in grundsätzlich allen Gesprächen, genau zuzuhören, sich in die Lage des Erzählenden hineinzuversetzen und dessen Sorgen und mitschwingenden Gefühle anzusprechen.

Schlecht: „Ach komm’ schon, ist doch halb so schlimm. Mach dir mal keine Sorgen. Ich hatte das auch schon mal. Damals als ich…“

Gut: „Du bist sehr besorgt, weil die Bescheinigung immer noch nicht da ist. Ich kann dir dabei leider nicht wirklich helfen und die Sache auch nicht ändern. Ich kann mir aber vorstellen, dass gerade das Schreiben vom Anwalt dich fertig macht, weil du nicht weißt, ob das Geld jetzt komplett zurückzahlen musst.“

Trost und Hilfe kommt in der Regel aus empathischem, aktivem Zuhören und der Fähigkeit, dem anderen das Gefühl zu geben, wirklich verstanden zu werden. [siehe auch: empathische Fähigkeiten, empathisch Bedeutung]

Ursachen aufzeigen & Hintergründe deuten

Besserwisserische ErklärungsversucheIn die gleiche Kategorie der Gesprächsstörer wie das Bewerten fallen das penetrante Aufzeigen von Ursachen und Hintergründen und der Drang, seinem Gesprächspartner alles besserwisserisch erklären zu müssen. Statt aufmerksam und respektvoll zuzuhören und auf die Aufforderung zu warten, dem Gesprächspartner etwas zu erklären, unterbrechen viele Menschen Ihr Gegenüber bei der ersten Möglichkeit. Sie fangen sofort an, ihre psychologischen und anderweitigen Kenntnisse dem Gegenüber preiszugeben. Typisches Muster:

„Ja, das ist klar, dass du in dieser Situation wütend bist. Du hast das Gefühl, aus dem bevormundenden Eltern-Ich abgefertigt worden zu sein. Jetzt schlüpfst du voll in die Rolle des Kind-Ichs und neigst zu einer trotzigen Gegenreaktion.“

Derlei Entgegnungen mögen interessant und richtig sein, zeugen aufgrund ihrer besserwisserischen Art jedoch von mangelndem Respekt dem Gesprächspartner gegenüber. Damit stören sie jede Kommunikation in ihrem natürlichen Ablauf.

Schmaler Grat zu  Überheblichkeit und ArroganzDer mangelnde Respekt manifestiert sich vor allem darin, dass jemand nicht die Höflichkeit besitzt, sein Gegenüber alle Gedanken zu Ende entwickeln und aussprechen zu lassen. Andererseits zeugt das besserwisserische Erklären, Ursachen aufzeigen und Hintergründe deuten davon, dass man glaubt, Dinge besser zu wissen, zu kennen und zu verstehen – das ist normalerweise nicht nur ein Mangel an Respekt, sondern häufig auch praktisches Anzeichen von Arroganz und Überheblichkeit. Diese stören in der Konsequenz nicht nur jedes Gespräch, sondern töten es auf kürzestem Wege ab.

Nicht ernst nehmen, ironisieren und verspotten

Weitere Gesprächsstörer sind das „Nicht ernst nehmen“, Ironisieren und Verspotten. Es ist eine typische Verhaltensweise aus dem Eltern-Ich heraus, die Probleme und Sorgen anderer nicht ernst zu nehmen. Dabei ist zu beachten, dass Kommunikation aus dem Eltern-Ich nicht zwingend das typische Eltern-Kind-Verhältnis meint. Auch unter Gleichaltrigen kann diese Verhaltensweise das Gespräch und die Beziehung zueinander belasten.

Es liegt auf der Hand, dass zwei Gesprächspartner nicht sinnvoll und erfolgreich miteinander kommunizieren können, wenn einer den anderen permanent auf den Arm nimmt oder durch lockere Sprüche „cool“ wirken will. Wider besseren Wissens und zum Beispiel dem Wunsch folgend, schlagfertig zu sein, läuft Kommunikation jedoch im Alltag vieler gesellschaftlichen Schichten und Situationen genau so ab. Dies ist vor allem in gruppendynamischen Prozessen augenfällig, wo einzelne Gruppenmitglieder sich durch Ironisieren, Verspotten oder nicht ernst Nehmen bei der Rollenfindung in der Gruppe profilieren wollen.

Schlagfertigkeit und „flotte Sprüche“ verführen schnell zu oberflächlicher KommunikationWer sich jedoch durch regelmäßige „flotte Sprüche“ in der Gruppe zu profilieren versucht, läuft langfristig Gefahr, nur noch oberflächlich zu kommunizieren und tatsächliche Probleme nicht mehr wahrzunehmen. Wer schon nach einem schlagfertigen oder lustigen Konter sucht, während der andere noch spricht, kann sich nicht auf das Zuhören konzentrieren und überhört z.B. subtile Äußerungen, die auf Konflikte schließen lassen.

Lebensweisheiten zum besten geben

Ungebetene Lebensweisheiten zeugen von Nicht-ernst-nehmenGanz sicher liegen in Sprichwörtern und Lebensweisheiten eine Menge Erfahrungen und Wahrheiten. Diese jedoch im Gespräch zum Besten zu geben wirkt in der Regel neunmalklug. Statt dem Erzählenden sorgfältig zuzuhören, Dinge nachzufragen und auf Aufforderung auch einen Rat oder Hinweis zu geben, wird der Erzählende mit einer scheinbar trivialen Phrase „abgefertigt“. Damit erweckt der Sprecher den (oft zutreffenden) Eindruck, an einem intensiveren Gespräch über das Thema nicht interessiert zu sein.

Lebensweisheiten bagatellisieren die Individualität persönlicher ProblemeSelbst wenn die Entgegnung passend und im konkreten Kontext relevant ist, erhält der Erzählende doch das Gefühl, mit seiner Situation und seinen Gefühlen nicht wirklich verstanden worden zu sein. Zudem bagatellisiert eine Lebensweisheit die Individualität des persönlichen Problems. Beispiel:

Die Entgegnung „Die Zeit heilt alle Wunden“ hilft zum Beispiel der Tochter oder dem Sohn mit dem ersten Liebeskummer kein Stück weiter. Sie gibt im Gegenteil das Gefühl, man würde nicht wirklich verstehen, wie schlimm das Problem ist und wie schwer man daran zu kämpfen hat. Auch Aussprüche wie „Da muss jeder mal durch“ helfen nicht, sie bagatellisieren das individuelle Problem. Damit wird nicht nur jedes Gespräch gestört, sondern langfristig auch die zwischenmenschliche Beziehung gestört, in diesem Fall zwischen Eltern und Kind.

Von sich reden

Viele Menschen besitzen die Eigenart, sich in Gesprächen und Diskussionen gern in den Mittelpunkt zu rücken. Sie erzählen am liebsten selbst, beziehen Aussagen anderer sofort auf die eigene Biographie und fallen ständig ins Wort, um ihrem Gegenüber und/oder allen Anwesenden sofort diesen Biographiebezug mitzuteilen.

Wer allerdings ständig nur von sich erzählt und dafür andere gar in ihren Ausführungen unterbricht, maßt sich an, dass der eigene Beitrag bedeutungsschwerer wäre als alles andere. Eine solche Gesprächshaltung tötet ausgewogene Gespräche ziemlich schnell ab, denn statt einem für beide Seiten fruchtbarem Erfahrungsaustausch spricht am Ende nur noch eine Person. Gespräche sind jedoch Dialoge, keine Monologe.

Insofern gilt es in allen Gesprächen sich selbst zu reflektieren und zu kontrollieren, ob Sie vielleicht zu egozentrisch kommunizieren. Neigt Ihr Gesprächspartner häufig zum Gesprächsstörer „Von sich reden“, weisen Sie ihn nach einer Weile freundlich, später mit zunehmender Bestimmtheit darauf hin.

Auf Meta-Ebene die gemeinsame Kommunikation reflektierenSprechen Sie einmal auf der Meta-Ebene darüber, wie sie miteinander kommunizieren. Das erfordert ein Grundmaß an sozialer und kommunikativer Kompetenz. Ebenso notwendig ist eine grundsätzlich positive und konstruktive Stimmung, denn wenn Sie bereits mit jemandem in einem Streit liegen, ist ein konstruktiver Austausch über die Art und Weise des Miteinanderredens häufig nicht mehr möglich.

Wer jedoch entsprechend kompetent und gewillt ist, seine eigene Kommunikation und die Beziehung zu Ihnen dauerhaft zu erhalten und zu intensivieren, ist für einen konstruktiven Hinweis in aller Regel dankbar.

Ausfragen

Ausfragen im Sinne eines VerhörsAusfragen ist ein typischer Gesprächsstörer, für deren Einsatz es hauptsächlich zwei Motivationen gibt: Eine Kategorie der „Ausfrager“ sind Gesprächspartner, die relativ wenig Vertrauen zu ihrem Gegenüber besitzen und daher möglichst alles erfragen wollen. Sie sind insofern unangenehme Gesprächspartner, als das Ausfragen in diesem Sinne einem Verhör gleicht. Das in solchen Situationen latente Misstrauen ist einer harmonischen Partnerschaft mehr als abträglich. Hier sind aktiv und schnell vertrauensbildende Maßnahmen gefordert.

Fragen als überstrapaziertes FührungsinstrumentDie zweite zu beobachtende Kategorie von gesprächsstörenden „Ausfragern“ sind Mitmenschen, die an ihren Kommunikationsfähigkeiten arbeiten wollen, es zu Beginn allerdings übertreiben. So neigen Menschen, die etwas über Fragetechniken und Sentenzen wie „Wer fragt, führt“ gehört und gelesen haben, eine gewisse Zeit dazu, andere durch Fragen zum richtigen Ergebnis führen zu wollen. Problematisch ist, dass Fragen in solchen Fällen so subtil gestellt werden, dass sie den Erzählenden mitunter in eine andere Richtung lenken, als er sonst frei erzählen würde.

Zu viele Fragen und kein Zuhören auf AntwortenEin permanent Fragen stellender Gesprächspartner hört in der Regel nicht richtig zu, ist wenig geduldig und zeigt seinem Gegenüber durch das Ausfragen eine gewisse Respektlosigkeit. Häufig erweckt das Anbringen von Fragen in hoher Frequenz im Erzählenden das Gefühl, sein Gegenüber würde ihm nicht zutrauen, allein und in angemessener Geschwindigkeit zum Punkt zu kommen. Diese Ungeduld und das daraus resultierende mangelhafte Zuhören stören jedoch nicht nur den Gesprächsfluss, sondern machen den Fragenden auf Dauer auch unsympathisch.

Vorschnell Vorschläge, Lösungen und Ratschläge anbieten

Gut gemeint, doch ungebetenEin Gesprächsstörer, der häufig von Älteren gegenüber Jüngeren begangen wird, ist das vorschnelle Anbieten von Vorschlägen, Lösungsmöglichkeiten und Ratschlägen. Es ist das typische Kommunikationsverhalten aus dem Eltern-Ich heraus.

Wie auch bei den zuvor beschriebenen Gesprächsstörern liegt das Problem nicht im Ratschlag oder Vorschlag an sich, sondern in mangelhaftem Zuhören und Respekt dem Gesprächspartner gegenüber. Zudem haben vorschnelle Lösungsangebote eine psychologische Kehrseite: Wer ein Problem schildert und von seinem Gegenüber im Handumdrehen die Antwort oder Problemlösung aus dem Arm geschüttelt bekommt, fühlt sich in der Regel ein wenig bloßgestellt. Die individuelle Bedeutung eines Konflikts, die für den Einzelnen immanente Schwierigkeit und Sorge in einem Problem schwindet bei solcher „Instant-Hilfe“.

Reaktanz gegen ungebetene RatschlägeDer Ratgebende provoziert ungewollt geradezu Reaktanz, denn kaum jemand ist bereit einen Ratschlag anzunehmen, der leichtfertig und für die individuelle Wahrnehmung zu früh gegebenen erscheint. Häufig findet sich als Reaktion auf diese Art von Gesprächsstörern klassisches Trotzverhalten, zum Beispiel die Nichtannahme eines sachlich richtigen Ratschlags, das Beharren auf der objektiv falschen Lösung bis hin zur Hinwendung zur (…)

Quellenangabe: Buch "Soft Skills für Young Professionals" von André Moritz und Felix Rimbach, GABAL Verlag, Seite 541ff, ISBN 978-3-89749-630-9
Link zur Quelle: https://www.amazon.de/exec/obi...

Kommentar zum Zitat:

Siehe auch hier auf soft-skills.com: Reaktanztheorie nach Jack Brehm, Reaktanz abbauen

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