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Arroganz / Überheblichkeit / Hochmut – Wenn „eingebildet“ und „arrogant“ eigentlich nur ein Schutzschild eigener Unsicherheit ist…

Arroganz / Überheblichkeit / Hochmut / Eingebildetsein - wenn Mitmenschen vor Ego platzen... (© piumadaquila / Fotolia)

Manchmal begegnen wir Menschen, die uns schon nach wenigen Sätzen unsympathisch sind. Sie wirken arrogant, ihr Auftritt scheint von Hochmut zu zeugen. Nicht selten ist man aber auch selbst mit der Art und Weise, wie man bei anderen ankommt, nicht zufrieden. Vor allem Menschen, die grundsätzlich eher schüchtern sind und zurückhaltend agieren, kann auch fälschlicherweise Arroganz und Überheblichkeit unterstellt werden. Sind wir an einem guten Miteinander interessiert, kommen solche Eigenschaften nicht gut an. Es gilt, ein bestimmtes Verhalten zu reflektieren und auf Veränderungen hinzuwirken.

Was versteht man unter Arroganz?

eingebildet, arrogant, hochmütig, überheblich…Arroganz hat zahlreiche Synonyme, in der Alltagssprache wird auch gerne von Hochmut, Eingebildetsein oder Überheblichkeit gesprochen. Menschen, die als arrogant empfunden werden, zeigen oft typische Verhaltensweisen. Kennzeichnend für Überheblichkeit ist ein schon überbetont selbstbewusstes Auftreten, gepaart mit dem bewussten oder manchmal sicher auch unbewussten Versuch, andere Menschen abzuwerten. Diese Abwertung kann beispielsweise durch spöttische Kommentare geschehen, aber auch durch Gestik und Mimik. Ein überhebliches Grinsen, hochgezogene Augenbrauen und abfällige Handbewegungen zeigen, was jemand von einem anderen hält. Die Abwertung Dritter geht oft einher mit einer übertrieben positiven Darstellung der eigenen Person. Hochmütige und eingebildete Menschen treten gern so auf, als seien sie in einer ganz speziellen Art und Weise einzigartig und von ganz besonderer Bedeutung für ihre soziale Umwelt. Eigenes Wissen und Können wird überzeichnet dargestellt. Hochmütige Leute betonen auch gerne, was sie vor allem im Vergleich mit anderen alles können. Diese vermeintliche Überlegenheit wird besonders herausgestellt. Hier ist auch wieder der entscheidende Punkt die Abwertung anderer – genau das lässt uns Menschen in ihrem Auftreten als arrogant empfinden.

Die Gratwanderung zwischen starker Persönlichkeit und arroganter EingebildetheitViele Menschen, die wir als arrogant empfinden, vereinen Charaktereigenschaften in sich, die auf den ersten Blick eher positiv sind: Sie wirken selbstbewusst (siehe Selbstbewusstsein), stellen ihr Licht nicht unter den Scheffel und sprechen gerne frei heraus, was sie bewegt. Als unangenehm wird jedoch jene bereits erwähnte abwertende Sprechweise oder Gestik und Mimik im Bezug auf andere Menschen empfunden. Entsprechend wird kaum jemand, dem an guten sozialen Beziehungen gelegen ist, sich selbst als arrogant bezeichnen. Sämtliche Charaktereigenschaften, die in Richtung Überheblichkeit gehen, gelten als negative Charakterbeschreibungen. Gleichzeitig ist die Einschätzung, ein Mensch sei „eingebildet“, aber auch immer eine sehr subjektive Einschätzung. Denn nicht nur die Sorte von Mensch, die sich gerne selbst reden hört und die eigenen Fähigkeiten in einer übertriebenen Art und Weise darstellt, werden als überheblich eingeschätzt. Auch stillen, auffällig zurückhaltenden Menschen unterstellt man fälschlicherweise schnell Hochmut. Ihren vermeintlichen Unwillen, sich mit anderen zu unterhalten, wird fehlinterpretiert als Überheblichkeit und Spott anderen gegenüber. Es ist wichtig, sich dessen bewusst zu sein, denn die Einschätzung eines anderen Menschen als hochmütig ist immer sehr subjektiv und nicht selten völlig falsch.

Überheblich, arrogant, hochmütig, eingebildet | In den meisten Fällen ist es eine Mischung aus Körpersprache und Sprechweise, welche Hochmut, Arroganz und Überheblichkeit vermittelt (© Klaus Eppele / Fotolia)

Überheblich, arrogant, hochmütig, eingebildet | In den meisten Fällen ist es eine Mischung aus Körpersprache und Sprechweise, welche Hochmut, Arroganz und Überheblichkeit vermittelt (© Klaus Eppele / Fotolia)

Warum verhalten Menschen sich arrogant?

Die Psychologie unterscheidet verschiedene Theorien bezüglich der Arroganz von Menschen. Zum einen gibt es Mitmenschen, die tatsächlich davon überzeugt sind, ganz herausragende Persönlichkeiten zu sein und damit unersetzlich und von besonderer Wichtigkeit für ihre soziale Umwelt (vgl. auch übersteigertes Selbstwertgefühl). Nicht immer geht aber diese Überzeugung zwangsläufig mit der Abwertung Dritter einher. Deswegen ist Menschen, die so auftreten, nicht unbedingt Überheblichkeit zu unterstellen. Ein gesundes Selbstbewusstsein ist nichts Schlechtes, und auch hier sind die Ausprägungen schlicht verschieden.

Zum anderen gibt es aber Menschen, hinter deren hochmütigem Auftreten samt einer überzogenen Darstellung der eigenen Persönlichkeit schlicht Unsicherheit steckt. Manche Menschen, die sehr arrogant auftreten, haben ein extrem gering gering ausgeprägtes Selbstbewusstsein.


Buch: "Die narzisstische Gesellschaft: Ein Psychogramm" von Hans-Joachim Maaz

Die Selbstunsicherheit ist die Schwester der Minderwertigkeit.

Die Selbstunsicherheit ist die Schwester der Minderwertigkeit. Alles Handeln, vor allem das neue, noch nicht erprobte Tun, bleibt angstbesetzt, jede ungewohnte Situation wird möglichst gemieden. Rückzug, Passivität oder Vermeidung werden hingegen bevorzugt und in Wechselwirkung …


Bewusst oder unbewusst wird dies kompensiert durch Überheblichkeit und übertriebene Selbstdarstellung. Der Mangel an Selbstbewusstsein und die Angst davor, dass andere dies entdecken oder denjenigen als schüchtern einordnen, ist so groß, dass man lieber auf das andere Extrem setzt. Wahre Gefühle werden nicht gezeigt, präsentiert wird eine vorgespielte Persönlichkeit.

Arroganz als Schutz-StrategieHinter dem Abwerten Dritter steckt dabei oft ein typisches System: Das eigene Selbstwertgefühl ist aus verschiedenen Gründen so gering ausgeprägt, dass Kritik oder gar offene Angriffe von anderen nicht ertragen werden können. Deswegen kommt man vermeintlichen Angreifern durch ein besonders überhebliches und abwertendes Verhalten zuvor. Es handelt sich um den Versuch, Dritte durch arrogantes Auftreten einzuschüchtern oder anderweitig so sehr zu degradieren, dass sie sich nicht trauen werden, ihrerseits zum Angriff überzugehen. Arroganz ist in solchen Fällen also eher ein Versuch, sich selbst zu schützen.

Wer andere Menschen schnell als arrogant bezeichnet, sollte die eigenen Motive prüfen. Andere als eingebildet und hochmütig zu bezeichnen, kann auch der Versuch sein, sich selbst aufzuwerten. Gerade, wenn stille Menschen bei einem selbst Irritation und Unsicherheit auslösen, ist man schnell dabei, sie als überheblich zu beschreiben und ihnen damit negative Charaktereigenschaften zu unterstellen. Damit wertet man sich selbst gleichzeitig auf, fühlt sich vielleicht besser und kann das Verhalten anderer besser akzeptieren.

YOUTUBE: Was lässt einen arrogant, eingebildet, überheblich wirken?
(youtube.com/watch?v=ZYCld8DGVS8)

Was tun gegen Hochmut und Überheblichkeit?

Kaum ein Mensch hat Interesse daran, als überheblich, hochmütig und arrogant zu gelten. Einige Tipps und Tricks können helfen:

  1. Hilfreich ist, regelmäßig Menschen des Vertrauens um eine Einschätzung bezüglich des eigenen Auftritts zu bitten und ehrlich zu reflektieren: Gerade, wenn man von Natur aus mit einem guten Selbstbewusstsein ausgestattet ist, ist der Grat zwischen ausgeprägtem Selbstvertrauen und unangenehmer Überheblichkeit oftmals nur sehr schmal – ohne dass man sich dessen bewusst ist! Ehrliche Rückmeldungen können helfen, den eigenen Auftritt zu hinterfragen und mehr auf Ton, Lautstärke und Redeanteile zu achten.
  2. Motivation für arrogantes Verhalten?Wer immer wieder das Verlangen verspürt, andere offen oder insgeheim negativ zu kritisieren oder sie spöttisch anzugehen, sollte sich selbst bezüglich seiner Motive hinterfragen. Was löst ein anderer Mensch in uns aus, dass wir das Bedürfnis verspüren, ihn abzuwerten, kleinzumachen? Ist es wirklich sein Verhalten oder geht es auch darum, dass der Mensch in uns möglicherweise Unsicherheit auslöst? Dass wir uns selbst aufwerten wollen durch Abwertung anderer?
  3. Verletztes inneres Kind?Gerade Menschen, die sehr streng erzogen wurden und kein gutes Selbstbewusstsein entwickeln konnten, haben oft den Drang, andere kleinzureden und sich selbst in den Himmel zu loben. Die Verletzungen des so genannten „inneren Kindes“ sind dann oft so ausgeprägt, dass eine professionelle Therapie helfen kann

Arrogante Narzissten: hochmütig, eingebildet und überheblich?! – Was versteht man unter Narzissmus?

Eine gesunde Selbstliebe kann jeder Mensch brauchen. Nur, wer sich selbst leiden mag, auf eigene Bedürfnisse achtet und die eigenen Gefühle wahrnimmt, kann auch positiv auf andere zugehen. Narzissten dagegen zeichnet sich durch eine völlig übersteigerte (narzisstische) Selbstliebe aus. Narzisstisch meint in dem Zusammenhang vor allem die Fokussierung auf die eigene Person, neben der Dritte nur noch schlecht abschneiden können. Auch die Beachtung der eigenen Wünsche in einem Ausmaß, was für Gefühle und Bedürfnisse der Mitmenschen keinen Raum mehr lässt, gilt als narzisstisch. Narzissten wird schnell Hochmut unterstellt, die Arroganz ist aber hier nicht der entscheidende Punkt. Problematisch ist, dass der Hochmut bei Narzissten so weit geht, dass Eigennutz über allem anderen steht und sie nicht mehr in der Lage sind, aufrichtig positive Gefühle für andere zu empfinden.

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