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3.2.1. Gruppeneigenschaften (Leseprobe aus dem Buch "Soft Skills für Young Professionals")

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Welche spezifischen Eigenschaften machen die Gruppe aus?

Jede Gruppe zeichnet sich durch eine Vielzahl individueller Eigenheiten aus. Fundamentale Prozesse und Eigenschaften lassen sich zwar in allen sozialen Gebilden gleichermaßen wahrnehmen, letztlich sind es aber die spezifischen Besonderheiten, über die sich eine Gruppe definiert und von anderen sozialen Einheiten abgrenzt.

Motive der Gruppenbildung

In erster Linie ist im Rahmen jeder Gruppenbeobachtung zu klären, welche Motive ursprünglich zur Gruppenbildung geführt haben. So entstehen und existieren Freundeskreise oder jugendliche „Cliquen“ unter ganz anderen Rahmenbedingungen als beispielsweise die „Gruppe“ der Familie. Das Team des Sportvereins folgt anderen Motivationen als das berufliche Team im Arbeitsleben. Analysieren Sie, ob es ein konkretes und messbares Gruppenziel gibt und wie dieses im Detail aussieht (siehe auch: Teamziele finden).

Hat sich Gruppe freiwillig und selbstgesteuert zusammengefunden?

Versuchen Sie zu erkennen, ob die jeweilige Gruppe sich freiwillig und flexibel formiert, oder ob sie durch äußere Sachzwänge entstanden ist und erhalten wird. Dies ermöglicht erste Erkenntnisse über den potentiellen Zusammenhalt bzw. Motivationen und Einstellungen der einzelnen Gruppenmitglieder (siehe auch: Kooperationsfähigkeit / Teamfähigkeit).

Wie entwickelt sich die Gruppengröße?

Schätzen Sie die Größe der Gruppe ab und ermitteln Sie, ob der Gruppenumfang durch äußere Umstände kurz-, mittel- oder langfristig begrenzt ist oder sich dynamisch verändert.

Gruppenzusammensetzung analysieren

Analysieren Sie die Gruppenzusammensetzung. Besteht eine einheitliche, homogene Zusammenstellung mit ähnlichen Menschen, ähnlicher Herkunft, Bildung oder Motivation? Sind die einzelnen Gruppenmitglieder von Alter, sozialem Status, Ziel der Gruppenteilnahme eher unterschiedlich? Suchen Sie dazu gezielt nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden der einzelnen Teammitglieder untereinander.

Harte und weiche Faktoren des Gruppenerfolgs

Der Erfolg von Gruppen hängt von einer Reihe harter und weicher Faktoren ab. Harte und messbare Faktoren sind beispielsweise die Zahl der Gruppenmitglieder, deren formale Ausbildung, die materielle (finanzielle und technische) Ausstattung sowie gesetzte Rahmenbedingungen. Darunter fällt je nach Gruppe das Umfeld, zum Beispiel der Lebensraum oder das Arbeitsumfeld. Gleichzeitig fallen gesetzliche Regelungen, gesellschaftliche Strukturen und Einrichtungen (Stichwort Sozialstaat oder Fördermittel) sowie die ökonomische Zustand von Unternehmen und der Gesamtwirtschaft in den Kontext dieser Rahmenbedingungen.

Weiche Faktoren sind die im Rahmen des gesamten Buches dargestellten „Soft Skills“, d.h. die soziale, emotionale und kommunikative Kompetenz der einzelnen Gruppenmitglieder, das Führungsverhalten und die Führungskompetenz eines offiziellen oder inoffiziellen Gruppenleiters (siehe auch: Führungskompetenz und Soft Skills von Führungskräften). Ausgewählte Einzelaspekte sind in diesem Zusammenhang die individuelle Motivation der Team-Mitglieder (im Sinne von „tatsächlich etwas tun wollen“, nicht lediglich einer Zweckorientierung), die Bereitschaft und Fähigkeit zu echter Kooperation sowie der empathische Umgang und die empathische Kommunikation untereinander (siehe auch: Empathie / Einfühlungsvermögen sowie Empathiefähigkeit).

Identifikation der Gruppenmitglieder mit einem gemeinsamen Ziel

Um den potentiellen Erfolg der betrachteten Gruppe evaluieren zu können, haben Sie mit der Klärung von Motiven und Zielen erst den ersten Schritt getan. Setzen Sie sich in einem zweiten Schritt intensiv damit auseinander, wie weit sich die einzelnen Gruppenmitglieder mit dem Gruppenziel identifizieren. Suchen Sie im Folgenden nach der Quelle des Mehrwertes in der Gruppe, um die Motivation hinter dem Gruppenzusammenhalt zu finden. Ein Ziel kann auch die Sozialisierung sein, d.h. im einfachsten Fall also lediglich das gesellige Beisammensein.

Versprechen sich die Mitglieder der Gruppe geistige Bereicherung durch den Austausch von Ideen, Erfahrungen und Wissen? Finden sich die Gruppenmitglieder zur Realisierung eines bestimmten Projekts zusammen? Wenn ja, ist dieses eine eigene Idee (Stichwort intrinsische Motivation) oder im Rahmen des Arbeitsumfeldes eine fremd vorgegebene Aufgabe?

Liegt der Mehrwert der Gruppe in Spezialisierung und Arbeitsteilung im professionellen oder im gesellschaftlich-familiären Umfeld, zum Beispiel durch Bildung von Wohngemeinschaften. Ermöglicht die Gruppe in diesem Sinn individuelle Ersparnisse durch Mengenrabatte, Kostenteilung und gemeinsame Nutzung von Gütern? Liegt ein Synergie-Effekt vor und worin manifestiert er sich? Man mag nach erster Betrachtung einwenden, dass nicht jede Gruppe nach wirtschaftlicher Betrachtungsweise „sich rechnen“ muss. Ausgehend von der Überzeugung, dass Menschen jedoch anreizgesteuert sind, ist in jeder Gruppe meist ein klarer Nutzen und Mehrwert für das Gruppenmitglied begründet.

Achten Sie auch darauf, wie sich der erkennbare Mehrwert der Gruppe auf die Gruppenmitglieder verteilt. Ist der Nutzen gleichmäßig verteilt oder werden einzelne Gruppenmitglieder einseitig übervorteilt? Haben einzelne Gruppenmitglieder einen messbar materiellen Nutzen, während andere aus der Gruppenaktivität eher soziale Bedürfnisse decken?

Werte, Überzeugungen in der Gruppe

Nicht immer ist der Nutzen und Mehrwert der Gruppe unmittelbar messbar. Häufig basieren Gruppen auf langfristigen Vorstellungen, Werte und Überzeugungen. So gesehen können Sie nicht immer einen konkreten Nutzen identifizieren, wohl aber die von den Gruppenmitgliedern unterstellten Chancen herausarbeiten. Wie so oft ist es hilfreich, sich in die Lage der einzelnen Team-Mitglieder hineinzuversetzen. Welche Chancen sehen Sie in der jeweiligen Rolle? Welche Risiken scheinen vom jeweiligen Standpunkt existent? Führen Sie danach die Einzelbeobachtungen zu einem aggregierten Bild zusammen, um ein übergreifendes Chancen- und Risikenprofil aus Gruppensicht zu erstellen. Auch dies ist als Analyseergebnis ein entscheidender Beitrag zum Verständnis der Gruppe.

Weitere Literatur im Kontext von Gruppenanalyse:

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Der Soft Skills Würfel von André Moritz - 26 Soft Skills in 6 Kompetenzfeldern (© André Moritz, www.soft-skills.com)

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