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3.1 Motive und Bedürfnisse – Grundlagen der Gruppenentwicklung

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Menschen sind anreizgesteuert – dies ist mitunter ernüchternd, lässt sich aber weder theoretisch noch praktisch abstreiten. Niemand macht etwas, wenn er darin keinen Sinn sieht, seine Handlung nicht auf etwas abzielt oder keinen bestimmten Nutzen verspricht.

Ohne Anreiz und Nutzen wären wir stets untätig. Um zu verstehen, was Personen zu einem bestimmten Verhalten bewegt, müssen Sie sich also grundsätzlich immer der zugrunde liegenden Motive bewusst werden. Es verspricht in fast allen Fällen einen bedeutenden Erkenntniszugewinn zu überlegen, warum eine Person etwas macht, als das Verhalten nur zu beobachten und gegebenenfalls sogar zu unreflektiert zu kritisieren.

Die Beobachtung von Gruppen setzt eine grundlegende Menschenkenntnis für das Individuum voraus. Das Verhalten einzelner Gruppenmitglieder basiert immer auf individuellen Motivationen. Gleichzeitig ist in Gruppen eine eigene Dynamik zu beobachten, welche weiter unten näher dargestellt wird.

Schnellübersicht: Was erwartet mich in diesem Kapitel?

  1. Motive und Bedürfnisse sind die Grundlage der Gruppenentwicklung. Wie gehen sie mit extrinsischer und intrinsischer Motivation um?
  2. Was können Sie von der Bedürfnispyramide lernen?

3.1.1. Extrinsische und intrinsische Motivation

Extrinsische und intrinsische MotivationBei der Analyse von Motiven und Beweggründen ist grundsätzlich zwischen extrinsischer und intrinsischer Motivation zu unterscheiden. Dabei bestehen zwischen beiden eklatante Unterschiede.

Materielle AnreizeExtrinsische Motivation ist Motivation von außen. Dazu zählen Anreizleistungen wie Gehälter, Löhne, Prämien oder Geld allgemein, die Aussicht auf Titel, Positionen, Ämter und Statussymbole wie Autos oder teurer Schmuck. Extrinsische Motivation ist durchaus erfolgreich um Menschen zu Handlungen anzuregen, insbesondere in materiell orientierten Gesellschaften bzw. Gesellschaftsschichten.

Intrinsische Motivation ist der Motor für SpitzenleistungenDennoch basieren Spitzenleistungen fast immer auf intrinsischer Motivation. Gemeint ist damit die „innere“ Motivation, d.h. der Antrieb aus dem Inneren heraus. Eine solche Motivation ist aus zahlreichen Gründen stärker und intensiver als eine äußere Anreizsteuerung, da der oder die Betroffene fester davon überzeugt ist, etwas zu wollen, dass etwas richtig ist oder dass etwas unbedingt realisiert werden muss. Menschen, die intrinsisch motiviert sind, bestimmte Dinge zu tun, können in der Regel deutlich mehr Ausdauer, Konzentration und Freude für eine Tätigkeit aufbringen, auch wenn diese anstrengend und zeitintensiv ist.

Drei Einflussfaktoren auf die Art der MotivierungOb jemand eher extrinsisch oder intrinsisch motiviert ist, hängt vor allem von drei Dingen ab:

  1. Werte, Ziele, Glaubenssätze
  2. Materielle Sicherheit und Stabilität des Umfeldes
  3. Persönliche Reife

Intrinsisch motivierte Menschen sind meist sehr starke Persönlichkeiten mit einem sehr genauen Konzept darüber, was ihnen wichtig ist, was sie wollen und welche Dinge sie selbst für gut und richtig halten. Im Gegensatz dazu werden extrinsisch motivierte Menschen häufig durch soziale Erwartungshaltungen und ein stärker materialistisch ausgeprägtes Wertesystem zu Handlungen angeregt und sind damit tendenziell fremdgesteuert. Zwei simplifizierte Beispiele:

Klischeebild des extrinsisch, materiell motivierten AngestelltenWer einem großen Auto, einem großen Haus, teuren Fernreisen und teurem Schmuck hinterher hängt, wird sein Handeln primär auf die Aktivitäten ausrichten, die von der Gesellschaft vor allen Dingen aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten gefordert werden, da diese auch durch den Markt als Entlohnungssystem der Gesellschaft belohnt werden. Eine extrinsisch motivierte Person macht seine Handlungen also davon abhängig, was andere, zum Beispiel Führungskräfte von ihnen verlangen und langfristig materiell belohnen werden. Sie fixieren ihre Kräfte auf Karriere und materiellen Erfolg, verlieren dabei jedoch häufig soziale Aspekte aus den Augen.

Klischeebild des intrinsisch motivierten, selbstständigen Denkers oder VisionärsWer hingegen auf materielle Aspekte und zum Beispiel Statussymbole weniger Wert legt, arbeitet meist nicht des Geldes und der materiellen Belohnung wegen, sondern wird durch Ideen, Ideale, soziale Beziehungen und seine eigenen Werte motiviert. Eine intrinsisch motivierte Person setzt sich Ziele in der Regel selbst anhand Ihrer Ideale und Moralvorstellungen. Eine solche Person kann dazu neigen, zum Beispiel die Welt verbessern zu wollen, obwohl die Welt gar nicht verbessert werden will. Intrinsisch motivierte Menschen können auf der einen Seite enorme Spitzenleistungen und auch Innovationen erbringen, laufen aber auch Gefahr, in einem idealistischen Weltbild zum Beispiel wirtschaftliche Sachzwänge außer Acht zu lassen.

Materielle Absicherung als Grundlage intrinsisch und ideell motivierter HandlungenWie jemand tendenziell motiviert ist und motiviert werden kann, hängt auch von seiner aktuellen materiellen Situation und seinem Umfeld ab. Jemand der bereits wirtschaftlich abgesichert ist, kann eher seinen Ideen und Idealen folgen als jemand, der durch wirtschaftliche Sachzwänge genötigt ist, zum Beispiel jeden verfügbaren Job anzunehmen, um sein und das Auskommen seiner Familie zu sichern. Dies entspricht dem im folgenden Abschnitt dargestellten Modell der Maslowschen Bedürfnispyramide.

Der Intellektuelle und Denker erkennt oft eher die Manipulation und Fremdsteuerung durch soziale ErwartungshaltungenAls dritter Einflussfaktor hängt die individuelle Motivierung auch von der persönlichen Reife ab. Dies impliziert sowohl Lebenserfahrung, soziales Verantwortungsbewusstsein, psychologische Reife und intellektuelle Kapazität. In vielen Fällen steigt der Anteil intrinsisch motivierter Menschen mit deren Intellektualität. Dichter, Denker, Künstler, Politiker und Unternehmer sind meist komplexere Persönlichkeiten als der einfache Arbeiter und fallen tendenziell in die Kategorie „intellektuell“. Diese Personenkreise entdecken durch Wissen, Denken und ihren Intellekt oft früher oder später, dass die Lebensqualität und Zufriedenheit sich entscheidend steigern lässt, wenn man tatsächlich eigene Ziele und Ideen verfolgt und verfolgen kann, statt nur den Rufen von Massenmedien zu folgen und sich durch das beeinflussen zu lassen, was angeblich richtig oder schick ist. Dies ist meist ein entscheidender Wendepunkt hin zu einer selbstbewussteren, aktiven Lebenssteuerung und einem Handeln aus intrinsischer Motivation. – Allerdings, und das sei nochmals betont, ist genau diese Art des Handelns und der Lebensführung natürlich primär denen vorbehalten, die bereits Ihre grundlegende Existenz abgesichert haben oder absichern können. Auch dies entspricht dem folgenden Modell der Bedürfnishierarchien.

Weitere Literatur im Kontext von Bedürfnisse:

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