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Menschenkenntnis als Soft Skill im Kompetenzfeld „Mentale Kompetenz“ des Soft Skills Würfels

Menschenkenntnis als Soft Skill im Kompetenzfeld "Mentale Kompetenz" des Soft Skills Würfels

Lebenserfahrung und Persönlichkeitstypologien

Menschenkenntnis ist die Fähigkeit, individuelle und typische Charakteristika von Einzelpersonen und Personengruppen zutreffend vorhersagen, erkennen und berücksichtigen zu können. Menschenkenntnis resultiert einerseits aus Erfahrungen aus dem Umgang mit vielen und unterschiedlichen Menschen.

Zum Teil kann Menschenkenntnis auch dem Wissen über empirisch fundierte Menschentypologien entspringen. Dabei ist es wichtig, dass solche Typologien nicht als „Wahrheit“ verstanden werden, sondern als Hilfe bei der Einschätzung von Menschen.

Verhalten, Denkmuster, EigenschaftenPsychologie, Soziologie, Anthrophologie und viele andere Wissenschaften beschäftigen sich seit langem mit der Erklärung menschlichen Verhaltens, menschlicher Denkmuster und menschlicher Eigenschaften. Dabei wurden im Laufe der Zeit eine Vielzahl von Typologien, d.h. Kategorien von Menschen entwickelt, welche die Komplexität, die sich aus der Individualität des Einzelnen ergibt, durch wissenschaftliche mehr oder weniger fundierte Typen, Gruppen, Cluster usw. reduziert werden soll.

Generalisierungen, TypologienDa es sich dabei zwangsläufig immer um eine mehr oder weniger umfangreiche Generalisierung handelt, hat jede dieser Typologien ihre Schwächen und Fehler. Je weniger „Kategorien“ ein Modell bietet, umso größer ist zwangsläufig die Generalisierung. Das impliziert oftmals, dass das Modell wenig praktischen Aussagewert hat, sehr allgemein ist oder sich eben sehr leicht sehr viele Gegenbeispiele finden lassen. Es überrascht nicht, dass bis heute noch keine einzig „wahre“ Theorie oder „beste“ Typologie gefunden wurde – vermutlich wird sie auch niemals gefunden.

Typologien und Klassifizierungen von „Menschen(typen)“

Je kleiner die Zahl der Typen ist, umso wahrscheinlicher ist es, dass sich Menschen als „Zwischentyp“ fühlen oder andere nicht eine der vorgegebenen Kategorien einordnen können. Der Kollege A oder Freund B ist dann etwas zwischen X und Y. Je weniger Typen zur Verfügung stehen, umso schwerer lässt sich jemand also zu einer Kategorie von Menschen einordnen. Je mehr Typen es gibt, umso weniger lässt sich ein Modell verstehen und merken – und verliert dann schnell an Alltagstauglichkeit und Popularität.

Eine Klassifizierung von Menschen(typen) mit 30 verschiedenen Kategorien dient darüber hinaus auch nur wenig dazu, die Komplexität von menschlichen Zügen etwas transparenter und beschreibbarer zu machen. Jede Typologie ist also erstens eine Gratwanderung zwischen der Exaktheit der Kategorien, dem praktischen Nutzen als komplexitätsreduzierendes Erklärungsmodell, abhängig von der Zahl der „Schubladen“. – Dabei ist die tatsächliche wissenschaftliche Gültigkeit der gewählten Gruppierungen zudem noch nichts gesagt.

Menschen sind immer reicher als die Generalisierungen, die über sie gemacht werden.

Ohne Frage: Typologien von Menschen können eine Hilfe bei der schnellen Einordnung und Einschätzung von Menschen sein, insbesondere für den Anfang eines neuen Kontakts, bei dem man sein Gegenüber schnell „einordnen“ möchte, um daran das eigene Handeln auszurichten. Vergessen Sie dabei jedoch nie, dass eine Typologie (vgl: Persönlichkeitsmodelle) oftmals besonders von einzelnen Kriterien abhängt, andere – möglicherweise wichtige – Persönlichkeitseigenschaften (siehe Eigenschaften versus Fähigkeiten, Fertigkeiten) bei der Einordnung aber gar nicht berücksichtigt werden. Vergessen Sie auch nie, dass es sich bei jedem Modell, jeder Typologie und jeder Einordnung um EINE von vielen möglichen Betrachtungsweisen eines Menschen handelt. Menschen sind immer reicher als die Generalisierungen, die über sie gemacht werden – das ist nicht zuletzt eine „menschliche“ Vorannahme im Umgang miteinander.

Menschenkenntnis: Menschen beurteilen, Beziehungen verstehen, Charakter einschätzen, Überzeugungen erkennen, Werte, Eigenschaften... (© XtravaganT / Fotolia)

Menschenkenntnis: Menschen beurteilen, Beziehungen verstehen, Charakter einschätzen, Überzeugungen erkennen, Werte, Eigenschaften… (© XtravaganT / Fotolia)

Menschen wahrnehmen, einschätzen, „kennen“

Menschenkenntnis entstammt also aus Lebens- und Berufserfahrung sowie Kenntnis von Typologien als „Erklärungsmodellen“. Wer seine Menschenkenntnis entwickeln möchte, kann also außer dem proaktivem Suchen, Eingehen und Pflegen von Kontakten vor allen Dingen sein Grundwissen über Psychologie und Soziologie auffrischen und sich näher mit den einzelnen Typologien von Menschen auseinandersetzen.

Wahrnehmungs-Verzerrungen bedenkenDa vor der Menschen“kenntnis“ im wortwörtlichen Sinne von „Kennen“ erst noch das „Wahrnehmen“ und „Einschätzen“ steht, ist in diesem Kontext auch das Wissen um typische Wahrnehmungsverzerrungen hilfreich. Denn bevor wir zu etwas wie „Kenntnis“ kommen, heißt es unsere Beobachtungen und Wahrnehmungen zu interpretieren. Und hier geschieht so manche Fehleinschätzung, die nicht nur auf Vorannahmen, Vorurteilen und Klischees beruht.

Nutzen des Trainings von Menschenkenntnis

  • Sie können sich stärker in Ihr Gegenüber einfühlen und so Konflikte besser lösen.
  • Sie können besser für die Präferenzen und Situation Ihres Gegenübers argumentieren und dadurch besser überzeugen.
  • Sie können Menschen besser motivieren, indem Sie die bekannten Präferenzen ansprechen und bedienen.
  • Sie können individuellere und tiefere Beziehungen aufbauen.
  • Sie können Menschen aufgrund eines tieferen Verständnisses einfühlsamer zuhören.
  • Sie können erfolgreicher verkaufen, weil Sie den Kunden bei seinen Eigenheiten und Präferenzen packen.
  • Sie können mehr Freude an sozialen Kontakten haben, weil Sie trotz aller hilfreichen Typologien mit Freunde die Einzigartigkeit eines jeden Menschen erkennen.

Einordnung Menschenkenntnis im Soft Skills Würfel

Menschenkenntnis ist als Soft Skill Bestandteil der übergeordneten Kompetenzfelder

Der Schwerpunkt liegt im Bereich der „Sozialen Kompetenz“, da der Erfolg und die Konfliktfreiheit von zwischenmenschlicher Interaktion sehr davon abhängen, wie weit die Teilnehmer der Interaktion ihr jeweiliges Gegenüber einschätzen können und die individuellen Charakteristika des Gegenübers berücksichtigend angemessen auf ihn eingehen können. Gleichzeitig ist Menschenkenntnis auch Bestandteil der „Mentalen Kompetenz“, da die Einschätzung von Menschen sehr von emotionalen und psychischen Faktoren abhängt, zum Beispiel Glaubenssätzen darüber, wie andere Menschen oder Menschengruppen (generalisiert) sind.

Die zusätzliche Einordnung in das Kompetenzfeld „Personale Kompetenz“ widerspiegelt, dass Menschenkenntnis auch sehr wohl einen erlernbaren Aspekt besitzt, genauer sogar einen selbstständig (autodidaktisch) erlernbaren Anteil. Dieser Teil umfasst vor allen Dingen das Wissen um Typologien, Beurteilungsprozesse und Beurteilungsmethoden. Personale Kompetenz enthält ja in der Regel vor allen Dingen Aspekte von Soft Skills, die unabhängig von sozialen Interaktionen erlernt werden können. Diese zu kennen und nutzen zu können, ist somit sehr wohl Bestandteil von Menschenkenntnis und Bestandteil des persönlichen Kompetenz-Portfolios.

Wichtige Begrifflichkeiten, die im Kontext von Menschenkenntnis häufig auftreten:

  • Taktgefühl
  • soziale Sensibilität
  • Lebenserfahrung

Bemerkenswert ist die Nähe zu Empathie als Soft Skill. Eine ausgeprägte Menschenkenntnis erfordert ein Mindestmaß an Empathie und korreliert meist auch mit dieser, d.h. empathische Menschen haben meist auch eine ausgeprägte Menschenkenntnis und Personen mit hoher ausgeprägter Menschenkenntnis verfügen meist auch über ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen. Viele Trainer sind sich daher nicht nur bei Smalltalk und Espresso darüber einig, dass Menschenkenntnis auch ein wichtiger Bestandteil von Einfühlungsvermögen ist.

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