Alle Menschen kennen hin und wieder das Gefühl, gestresst zu sein: Man hetzt von Termin zu Termin, hat viele Aufgaben zu erledigen, doch der Tag hat nur 24 Stunden. Am Ende steht nicht selten das Gefühl, zu wenig geschafft zu haben. Kommen solche Phasen nur selten vor, muss man sich keine Sorgen machen. Gelegentlicher Stress schadet nicht der Gesundheit. Anders sieht es aus, wenn das Leben permanent von Stressfaktoren bestimmt wird. Dann wird Stressprävention zum wichtigen Thema. Es ist von großer Bedeutung, ein Übermaß an Stress als solches zu erkennen und etwas dagegen zu tun. Mit einigen Tipps und Tricks kann jeder etwas zur persönlichen Stressprävention tun und damit – oder gar durch ein Stresspräventionstraining – in seine Gesundheit investieren (siehe auch Stressresistenz trainieren).
Was bedeutet Stress und welche Arten von Stress gibt es?
Stress versetzt unseren Körper in einen Zustand, den man am besten mit dem Wort „Kampf“ beschreiben könnte. Stress resultiert aus Ansprüchen, die wir an uns selbst stellen, aber auch aus Anforderungen, die andere an uns stellen. Wir können uns also selbst unter Stress setzen, können aber auch passiv durch Dritte gestresst werden. Wenn man sich gestresst fühlt, geht es im Kern immer darum vor vielen verschiedenen Aufgaben zu stehen, deren Erfüllung schwierig scheint. Kommen zu den Aufgaben noch zeitliche Limits oder psychologische Faktoren wie Kampf um Sympathie, Angst vor Zurückweisung usw., wird das Stresslevel nochmal höher.
Stress löst biochemische Veränderungen im Körper bevor (vgl. auch die Sympathikus-Rolle dabei). Hierbei ist vor allem das Hormon Cortisol zu nennen. Der Cortisol-Spiegel steigt rasch an, wenn wir uns gestresst fühlen. Dabei ist es zunächst gleich, um welche Arten von Stress es sich handelt. Man unterscheidet zwei Formen von Stress: Eustress und Distress. Eustress wird dabei auch als „positiver Stress“ bezeichnet. Viele Menschen lieben es, wenn viele Aufgaben an sie gestellt werden. Auch im Job kann man Erfüllung finden, wenn man sich besonders herausgefordert fühlt. Psychologen sprechen vom so genannten „Flow“ – ein Zustand, in dem man in seinem Tun voll und ganz aufgeht, egal, wie hoch die körperliche oder geistige Belastung dabei ist.
Davon zu unterscheiden ist der Distress. Distress bedeutet negativer Stress. Ihn verspüren wir, wenn wir uns wegen aller Anforderungen, die zu erfüllen sind, schlecht und gehetzt fühlen. Hierbei werden Belastungen nicht als positive Herausforderung angesehen, sondern als kaum zu bewältigende Hürde.
Must-read:
Schadet Stress gesundheitlich?
Egal, ob Eustress oder Distress – Stress ist keinesfalls gleichbedeutend mit gesundheitlichen Problemen, vgl. Auswirkung von Stress. Voraussetzung dafür ist, dass der Zustand des Stresses für den Körper keine permanent andauernde Phase ist. Ruhephasen und vor allem Möglichkeiten von Stressabbau sind entscheidende Faktoren dafür, dass man trotz Stress gesund bleibt. Wenn es sich aber so verhält, dass die Stressoren über einen sehr langen Zeitraum bestehen und man gleichzeitig keine effektiven Möglichkeiten des Stressmanagements kennt, kann der Mensch krank werden. Problematisch ist nämlich dann, dass der Körper kein Ruhelevel mehr erreicht und Stresshormone wie Cortisol ständig den Körper fluten. Die gesundheitlichen Probleme, die ohne Stressabbau langfristig entstehen, können vielfältig sein.

Die ersten Symptome, die aus einer zu hohen Stressbelastung resultieren, sind oft uncharakteristisch. Deswegen vermutet man auch nicht immer einen Zusammenhang zum Stress. So können Schlafprobleme, diffuses Unwohlsein und Probleme mit der Konzentration durchaus auf Stress zurückzuführen sein. Wer nichts tut, um solchen Schwierigkeiten vorzubeugen, riskiert langfristig auch schwere körperliche Schäden. So können Hirninfarkte, starke Kopf- und Rückenschmerzen, aber auch Geschwüre im Bauchraum und Zyklusstörungen bis hin zur Unfruchtbarkeit Resultate von einem zu hohen Stresspegel über lange Zeit sein.
Die unterschätzte Gefahr: Stress am Arbeitsplatz
Sicher profitiert nicht die Mehrheit der Berufstätigen von der Tatsache, dass sie ihren Beruf als Berufung ansehen und voll darin aufgehen, ohne jeden Stress. Für die meisten Menschen wird der Job hin und wieder auch ein Belastungsfaktor sein: Hoher Leistungsdruck, mangelnde Solidarität unter Kollegen, Schwierigkeiten mit den Vorgesetzten, Angst vor Jobverlust.
Wird Stress am Arbeitsplatz zum chronischen Dauerzustand, ist dies besonders gefährlich. Denn den Job können nur wenige einfach so aufgeben, nicht immer bieten sich gleichwertige Alternativen, und wer selbst kündigt, riskiert große finanzielle Schwierigkeiten. Es gilt also, Stress am Arbeitsplatz erst gar nicht zum Dauerthema werden zu lassen. Glücklicherweise haben auch viele Vorgesetzte erkannt, dass Stressabbau und konkrete Hilfen zur Stressbewältigung am Arbeitsplatz für Mitarbeiter so wichtig sind, dass es sich lohnt, hier zu investieren. Neben privaten Möglichkeiten von Stressabbau nach Feierabend gibt es zahlreiche Möglichkeiten, das Thema Stressbewältigung gezielt anzugehen.
Das könnte Sie auch interessieren:
Resilienz: Definition von „resilient“, Resilienzfaktoren und hilfreiche Erkenntnisse aus der Resilienzforschung
„Resilient sein“ – was heißt das? Der Begriff Resilienz bzw. der Ausdruck resilient sein sind zu viel genutzten Schlagwörtern geworden. Gemeint ist die Fähigkeit, auf psychischer Ebene eine…
Die Bedeutung von Stressprävention
Hierbei kommt auch der Prävention von Stress eine besondere Bedeutung zu. Stressprävention am Arbeitsplatz meint, Situationen vorausschauend so zu gestalten, dass großer Stress gar nicht aufkommt. Vorbeugen ist immer besser als nachsorgen, das gilt auch für das Thema Stressbewältigung. Viele Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern deswegen gezielt Coachings an, in denen sie lernen können, wie sie mit Stress umgehen können, damit es gar nicht erst zum Burnout kommt. Burnout wegen der Arbeit geschieht nicht von heute auf morgen – bevor Mitarbeiter ausgebrannt sind, hat sich die Stressspirale lange hochgeschaukelt. Hier setzt das Training an.
Im Training lernen alle Mitarbeiter des Unternehmens, wie sie Stressoren als solche identifizieren können. Nun gilt es, etwas gegen diese ausgemachten Stressoren zu tun. Dazu haben die Psychologen zahlreiche Tipps. Diese Tipps beziehen sich sowohl darauf, was man tun kann, um gar nicht erst in einen Zustand von Stress zu kommen. Es geht im Coaching aber auch darum zu lernen, wie man aus chronischem Stress am Arbeitsplatz bewusst aussteigen kann (siehe auch Coaching für Führungskräfte).
Stresspräventionstrainings
Stresspräventionstraining setzt aber natürlich eine Kultur der Achtsamkeit im Unternehmen voraus (vgl. auch Achtsamkeitsübungen für Gruppen). So geht es im Seminar auch darum zu verstehen, dass Ziel nicht der ständig gehetzte Kollege mit Schlafstörungen sein soll, der kein Privatleben mehr hat, keine Ruhe mehr, der sich negativ verändern muss, weil es ihm gesundheitlich schlecht geht – und das alles, weil das Unternehmen Ziele setzt, die nur durch permanenten Stress ohne Rücksicht auf das Privatleben und auf ein Recht auf Ruhe erreicht werden können. Hier sind alle gefordert: Die Unternehmensführung muss darauf hinarbeiten, Stressoren zu vermeiden, Stress vorzubeugen und hinzusehen, wenn Kollegen sich im Negativen verändern. Kollegen untereinander lernen vom Trainer ebenfalls, wie mit Stress umzugehen ist, wenn er im Team überhand nimmt. Viele Krankenkassen haben die Wichtigkeit von solchen Trainings erkannt und beteiligen sich an den Kosten für Kurse zum Thema Stressbewältigung und Stressmanagement in Unternehmen oder als Privatkurse.
Was tun gegen den Stress im Alltag?
- Arbeit ist nicht alles: Gerade, wenn es im Job stressig wird, sind konkret geplante Phasen der Ruhe besonders wichtig. Ein abgesagter Tanzabend zugunsten eines ganz ruhigen Abends zuhause kann die bessere Erholung sein!
- Sport tut gut: Bewegung hält nicht nur körperlich fit, sondern verbraucht auch die Energie, die Stress im Körper freisetzt. Diese muss abgebaut werden. Ob schwimmen oder laufen, Trampolinspringen oder tanzen – Bewegung hilft, mit Stress umzugehen und tut auch gut bei Schlafstörungen.
- Stressmanagement ernst nehmen: Viele Menschen nutzen das Wort Stress eher beiläufig, nehmen eigenen Stress oder auch den der anderen nicht wirklich wahr oder belächeln sich selbst und Dritte. Dabei ist ein gutes Stressmanagement gleichzeitig Gesundheitsmanagement. Die Gesundheit ist die wertvollste Ressource jedes Menschen und es gilt sie zu schonen. Dafür muss man aber erst einmal gedanklich zu dem Punkt kommen, möglicherweise auch mit einem Trainer, welche Bedeutung man dem individuellen Gesundheitsmanagement und Stresspräventionstraining zumessen sollte.
Quellen und weiterführende Ressourcen:
- uni-bielefeld.de/Benutzer/MitarbeiterInnen/Gesundheit/neu/stress_warnsignale.html
- lecturio.de/persoenlichkeitsentwicklung/stressbewaeltigung.kurs
- beltz.de/fileadmin/beltz/leseproben/978-3-621-27772-3.pdf



