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Risikomatrix und der Schadenerwartungswert als Entscheidungshilfe bei risikobehafteten Entscheidungen

Risikomatrix Beispiele - Die Google-Bildersuche liefert viele Eindrücke, wie so Risiko-Maps bzw. Portfolios dargestellt werden können

Mehr Entscheidungsstärke durch kompetenten Umgang mit Risiken und der Risikoeinschätzung

Macht man sich Gedanken über Entscheidungsstärke als Soft Skill, dann kommt man nicht umhin, sich über Risiken, Risikobewertung, Risikoabschätzung und Möglichkeiten des Risikomanagements Gedanken zu machen.

Jede Entscheidung impliziert in der einen oder anderen Form ein Risiko, meist sogar mehrere Risiken.

Nun gibt es Menschen, die eher Chancen-orientiert sind, vor allem bei der Geldanlage. Die weitaus meisten Menschen jedoch sind „risikoavers“; sie scheuen das Risiko, fürchten Ungewissheit. Das gilt vor allen Dingen für private Entscheidungen im Lebensalltag, abseits von der Geldanlage, z.B. bzgl. Jobwechsel, Umzug, Beziehungen.

Unbefriedigende Situationen werden aufrecht erhalten, weil die Angst vor der Veränderung aufgrund der damit verbundenen Unsicherheiten größer ist als der Motivationseffekt einer Verbesserung. Das liegt auch daran, dass wir uns im Leben eher an Schmerz erinnern als an Freude. Unser Fokus liegt all zu oft auf Schmerzvermeidung, Verlustbegrenzung.

Wie lässt sich das begründen? Die vermeintliche Verbesserung der Lage nach einer Veränderung ist ungewiss. Ein Gewinn ist uns nicht sicher. – Ja, wir können etwas in unserem Leben ändern, z.B. bestimmte Rahmenbedingungen und/oder unser Verhalten. Aber ob und wie viel (Gutes) das bringt, bleibt mehr oder weniger unsicher. Gleichzeitig besteht jedoch das Risiko, dass sich noch ganz andere Probleme, Nachteile etc. durch die Entscheidung zur Veränderung auftun. Vor allen Dingen unerwartete Probleme. Da ist es vielleicht besser, alles so zu lassen, wie es ist, oder?

Lange Rede, kurzer Sinn: Die meisten entscheidungsscheuen Menschen scheuen das Treffen verbindlicher, harter Entscheidungen aus Angst vor Risiken. Zur Vermeidung von Unsicherheit.

Fast niemand mag Unsicherheit. Entsprechend neigen wir in unserem Denken und Handeln dazu, Risiken möglichst zu vermeiden. Der Fokus liegt auf Schmerzvermeidung. Auch wenn alle „Chancenorientierung“, „Mut zu Neuem“, „positivem Denken“ etc. propagieren. Risikoaversion, Risikoscheu, Risikomeidung sind höchst natürlich, und höchst menschlich. Das sollten wir uns und anderen anerkennen.

Was also tun? – Den Umgang mit Risiken thematisieren und diffuse Gefahren und Ängste konkretisieren

Wenn man sich bzw. einem entscheidungsscheuen Menschen zu mehr Entscheidungsfähigkeit „verhelfen“ will, muss man mit ihm den „Umgang mit Risiken“ thematisieren. Wie so oft im Training von Soft Skills kann das auf verschiedenen Ebenen erfolgen. Unter anderem

  • auf der mentalen Ebene,
  • auf der anderen Seite knallhart durch das Vermitteln von Methoden und Techniken.

Und dazwischen sicherlich auch durch die Vermittlung von Grundlagenwissen, nützlichen Theorien etc. – ich nenne das gern

  • die Ebene der „Modelle“.

(Der Dreiklang aus Mentalem, Modellen und Methoden im Soft Skills Training).

Ich bin ja ein Fan von „Methoden“ (und „Techniken“), weil sie das so „labberige“ Thema der weichen „Soft Skills“ irgendwie knackig-greifbarer machen. Weil man damit auch die Menschen überzeugen kann, dass Soft Skills trainierbar sind, die sonst nicht so Freund von Mentalcoaching und allgemeinen Empfehlungen zu Denken, Fühlen, Mindsets etc. sind. Methoden sind wie kurze und klare Kochrezepte. Schritt-für-Schritt-Anleitungen. Und je simpler die Methode, umso leichter lässt sie sich vermitteln, und umso wahrscheinlicher findet sie dann auch Anwendung im individuellen Alltag. Selbst wenn „simple“ Methoden ihre Schwächen haben, die aus der Simplizität / Vereinfachung resultieren.

Zur Sache: Die „Risikomatrix“ als simpelste Form der Risikoanalyse

Kommen wir heute also zu einem guten Beispiel für eine „simple Methode“, die uns schnell und einfach helfen kann. Wann kann sie uns helfen?: Wenn wir Risiken einschätzen wollen. Und genau diese Fähigkeit (zur Risikoanalyse, Risikoeinschätzung, Risikobewertung) brauchen wir, wenn wir entscheidungsscheu sind, als risikoavers gelten etc. und deshalb Probleme mit unserer Entscheidungsfähigkeit haben.

Risikomatrix - Beispiel aus der Wikipedia | X-Achse Schadenshöhe, Y-Achse Eintrittswahrscheinlichkeit

Risikomatrix – Beispiel aus der Wikipedia | X-Achse Schadenshöhe, Y-Achse Eintrittswahrscheinlichkeit

Was ist die Risikomatrix?

Eine Risikomatrix ist eine grafische Darstellung (als Tabelle oder Diagramm mit X-/Y-Achse). Die Darstellung dient dazu, verschiedene Risiken sortiert/gruppiert darzustellen. Dabei werden zwei wichtige Faktoren bzw. Dimensionen beleuchtet und für die Sortierung benutzt:

  1. Wie hoch ist die Eintrittswahrscheinlichkeit des Risikos?
  2. Wie hoch ist der vermutliche Schaden bei Eintritt des Risikos?

Andere Begriffe, die mitunter synonym für Risikomatrizen verwendet werden: Risikoportfolio, Risiko-Map. Letztlich geht es um eine systematische Abschätzung und Bewertung von Risiken.

Anhand der Risikomatrix kann der Schadenerwartungswert berechnet werden, durch die Multiplikation der Eintrittswahrscheinlichkeit und des Schadensausmaßes des Risikos. Allerdings ist zu beachten, dass die beiden Faktoren (Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadenausmaß) sich gegenseitig relativieren können und daraus ein falsches Urteil über das Risiko entsteht. (Wiki)

Risikomatrix Beispiele - Die Google-Bildersuche liefert viele Eindrücke, wie so Risiko-Maps bzw. Portfolios dargestellt werden können

Risikomatrix Beispiele – Die Google-Bildersuche liefert viele Eindrücke, wie Risiko-Maps bzw. -Portfolios dargestellt werden können

Wie erstellt man eine Risikomatrix?

Das Bild macht in wenigen Sekunden deutlich, um was es geht bzw. wie die Sache aussehen kann. Die Herausforderung liegt in der Bewertung der Risiken hinsichtlich der beiden Faktoren Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadenshöhe. Bei der Wahrscheinlichkeit geht man klassisch von einer Skala von 0-100% aus. Viele Anwender wählen aber zur weiteren Vereinfachung einfach eine bestimmte Anzahl an Gruppen (Stufen, Klassen, Segmenten). Im abgebildeten Wikipedia-Beispiel hat man 5 Stufen zur Gruppierung gewählt, entsprechend einer Eintrittswahrscheinlichkeit von 0-20%, 20-40%, 40-60%, 60-80% und 80-100%.

Im Fall der Schadenshöhe macht eine solche Gruppierung in Segmente oft auch Sinn, da man den Schaden im Falle eines Risikoeintritts in der Regel eben nicht absolut exakt vorhersagen kann. Gleichzeitig macht eine lineare Verteilung oftmals auch nicht so viel Sinn. Anwender mit höheren Mathematik-Skills nutzen daher Verfahren der mathematischen Transformation; der Wikipedia-Artikel geht hier auf die „doppeltlogarithmische Auftragung“ als eine Möglichkeit ein, um zu große Vereinfachungen bzw. Ungenauigkeiten auszubügeln. Für viele Zwecke ist diese Verkomplizierung aber gar nicht nötig. Ganz im Gegenteil nutzen viele Anwender auch noch einfachere Achsenbeschriftungen wie „gering“, „mittel“ und „hoch“.

Die Antwort auf die Frage, wie viele Abstufungen man auf den Achsen zu Wahrscheinlichkeit und Schadenshöhe verwendet, hängt auch davon ab, wie viele „Felder“ man in der Darstellung haben will/braucht. Das wiederum hängt davon ab, wie viele verschiedene Risiken man in einem bestimmten Kontext identifiziert und eingeschätzt hat und nun darstellen will.

Videos: Wie erstellt man ein Risikoportfolio / eine Risiko-Map?

Welche Stärken / Vorteile haben Risikomatrizen?

Der größte Vorteil einer solchen Darstellung: Man kann schnell erkennen, welches Risiko bzw. welche identifizierten Risiken die größte Gefahr darstellen. Welches Risiko hat den größten „Impact“? Mit welchem Risiko müssen wir uns am ehesten beschäftigen und Maßnahmen zur Risikoreduktion einleiten?

Gleichzeitig nutzen aber auch folgende Vorteils-Punkte:

  • Man wird „gezwungen“, überhaupt über mögliche Gefahren / Risiken eines gegebenen Kontexts nachzudenken. Das wiederum verhindert möglicherweise überhaupt das Eintreten bestimmter Probleme, eben weil man sich frühzeitig mit existierenden Gefahren auseinandergesetzt hat. Weil man diese rechtzeitig vorher bewusst „gesehen“ und analysiert hat und sich in der Folge darauf einstellen konnte.
  • Man wird „gezwungen“, die Risiken zu bewerten. Durch die methodische Einschätzung verlieren Risiken psychisch an Bedrohung. Was evtl. latent als diffus lähmend, ängstigend, „einen-von-einer-Entscheidung-abhaltend“ empfunden wurde, verliert durch die Konkretisierung an Hemmkraft. Ein teilweise unbewusster Feind wird plötzlich sichtbar(er). – Natürlich wird das tatsächliche Risiko dadurch nicht geringer. Aber oft genug fällt einem eine bisher immer wieder verschobene Entscheidung und Handlung leichter, wenn man das Gefühl bekommen hat, „das Risiko zu kennen“. Der diffuse Unsicherheitsnebel verfliegt, das ungute Gefühl der Unsicherheit und Ungewissheit weicht, das Gefühl der Zuversicht nimmt zu. Und das versetzt uns näher an eine bisher vermiedene / aufgeschobene Handlung als zuvor. Das ist auch das Prinzip des „Sich-den-Worst-case-vorstellen“.
  • Die Wahrscheinlichkeit steigt, dass wir bestehende Risiken Stück für Stück angehen, d.h. Maßnahmen zur Reduktion bzw. Risikominimierung einleiten. Warum?: Die „Sortierung“ und visuelle Darstellung wirkt wie die Salami-Taktik und dient gleichzeitig der Priorisierung. Was einen vorher „erschlagen“ hat und/oder einfach nicht greifbar genug war, um konkrete Handlungen zu motivieren, ist nun in kleine „Slices“ zerlegt. In kleinere, verdaubare „Häppchen“, derer man sich eins nach dem anderen zuwenden kann. Und die Darstellung zeigt uns sofort, wo wir anfangen können/müssen/sollten. Und was dann als nächstes kommt…
Buch: Risiko - Wie man die richtigen Entscheidungen trifft (Amazon)

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Welche Nachteile / Schwächen hat die Methode?

Wer die Einleitung aufmerksam gelesen hat, wird ein gewisses Bewusstsein bis hierher gebracht haben, was an der Methode der Matrix, bzw. dem Risikoportfolio bzw. der Risiko-Map nachteilig ist. Wo liegen die Schwächen bzw. Schwachpunkte?

  • Die Darstellung der Risiken ist stark vereinfacht und oft ziemlich ungenau.
  • Die Abschätzung sowohl von Eintrittswahrscheinlichkeit als auch Schadenshöhe ist oft sehr ungenau, oft sehr subjektiv, oft wenig fundiert geschätzt.
  • Die beiden Dimensionen können sich gegenseitig relativieren; der „Schadenerwartungswert“ nur die halbe „Wahrheit“ erzählen. Z.B. ein finanziell extrem hohes Risiko (bezogen auf die Schadenhöhe) wird bei einer subjektiv (und vermutlich falsch geschätzten) Eintrittswahrscheinlichkeit von nur <5% ziemlich „kleingerechnet“. In der Darstellung und Priorisierung steht dieses Risiko dann gleichauf mit einem anderem Risiko, das finanziell nur eine moderate Schadenhöhe bei höherer Eintrittswahrscheinlichkeit aufweist. Das erste Risiko kann jedoch z.B. für das Unternehmen existenzbedrohend sein.
  • Viele weitere Kritikpunkte zielen immer auf die relativ geringe Aussagekraft aufgrund Ungenauigkeiten und/oder zu starken Vereinfachungen, siehe hier.

Siehe auch:

Entscheidungsmatrix > In der Google Bildersuche finden sich viele Beispiele für Entscheidungsmatritzen / Entscheidungstabellen

Entscheidungsmatrix als eine Form der Darstellung von Entscheidungsproblemen

Mitunter muss man eine Entscheidung treffen und hat eine Menge an Optionen / Alternativen mit diversen Eigenschaften bzw. unterschiedlich gut erfüllten Kriterien. Das Erstellen einer so genannten Entscheidungsmatrix ist eine recht einfache und zügig zu …

Einstellung gegenüber Risiken (© capacitorphoto / Fotolia)

Einstellung gegenüber Risiken

Fokus auf Gewinnerzielung vs. Verlustvermeidung
Vor jeder Handlung – sei sie ergebnisorientiert oder nicht – steht die Initiative. Im Idealfall erfolgt Handlung aus Eigeninitiative, im weitaus häufigeren Fall erfolgen Handlungen im beruflichen Kontext aus Weisung, d.h. …

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Bildnachweis Titelbild: Screenshot Google-Bildersuche nach Risikomatrix