12 rhetorische Mittel, mit denen Sie Ihre Rede aufwerten können
Es ist der Stoff, aus dem zahlreiche Alpträume gemacht sind: Sie stehen vor einer Gruppe von Mitschülern, Familienmitgliedern, Prüfern, potenziellen Kunden oder anderweitig wichtigen Leuten, und sollen irgendeine Form von Vortrag halten, mit dem Sie im besten Fall Ihr Publikum überzeugen. Aber obwohl Sie sich so viel Mühe beim Verfassen dieses Vortrags gegeben haben, der Funke will nicht so recht überspringen, das Publikum wirkt gelangweilt und abwesend. All die interessanten und relevanten Inhalte, die Sie vermitteln wollten, verpuffen im Raum.
Nicht ohne Grund gibt es nur wenige Menschen, die „vor Gruppen reden“ als etwas beschreiben würden, das ihnen liegt; Es kann eine sehr undankbare Aufgabe sein, und die Reaktionen sind sehr viel unmittelbarer und brutaler als bei anderen Formen der Präsentation. Und während es ein breites Angebot an Tipps und Tricks gibt, mit denen man seine Körpersprache und Stimme für solche Gelegenheiten optimieren kann, wird häufig vergessen, dass auch die Rhetorik des Textes durchaus zum Erfolg oder Misserfolg einer Rede beitragen kann.
Um Ihnen dabei zu helfen, Ihren Text unabhängig vom Inhalt interessanter klingen zu lassen, stellen wir Ihnen hier zwölf rhetorische Figuren und Stilmittel vor, mit denen Sie mehr Abwechslung in Ihre Vorträge bringen und eine gelungene Präsentation halten können.
Inhaltsübersicht
Key Takeaways
- Rhetorische Mittel verbessern Ihre Reden und helfen, das Publikum zu überzeugen.
- Die Wiederholung, Alliteration und Anapher sind zentrale Stilmittel für Nachdruck und Rhythmus.
- Ironie, Sarkasmus und Zynismus fügen Humor hinzu, erfordern jedoch Sensibilität gegenüber dem Publikum.
- Die Antithese und Akkumulation bieten Möglichkeiten, ohne repetitive Formulierungen zu überzeugen.
- Nutzen Sie Metaphern und Allegorien, um Ideen anschaulich zu vermitteln.
1. Die Wiederholung
Die Wiederholung, in der Begrifflichkeit recht selbsterklärend, ist ein beliebtes Stilmittel, wenn man einer Aussage Nachdruck oder besondere Intensität verleihen möchte. Hierbei werden Wörter, Phrasen, oder sogar ganze Sätze im Textfluss wiederholt, ohne notwendigerweise einem konkreten Muster zu folgen. Ein Beispielsatz hierfür wäre:
Du hast dir ein Fahrrad gekauft? Ein Fahrrad?!
Natürlich sollte man mit diesem Stilmittel nicht allzu verschwenderisch umgehen, da übermäßig viele Wiederholungen wieder eher zu Aufmerksamkeitsverlust führen. Verwenden Sie sie also wirklich nur, wenn es inhaltlich sinnvoll ist.
2. Die Alliteration
Als Alliteration, bezeichnet man eine Kombination von Wörtern, deren Anfangsbuchstaben gleich sind, oder zumindest gleich klingen. Sie ist eine der beliebtesten rhetorischen Figuren, da sie für einen angenehmen Sprachfluss sorgt, und wird in der Rhetorik gern genutzt, um besonders eingängige und einprägsame Sätze zu konstruieren. Als Beispiel:
Fabian fährt viel Fahrrad.
Auch hier ist es natürlich ratsam, es nicht zu übertreiben, sonst können Sie schnell Zungenbrecher fabrizieren, mit denen Sie es sich selbst unnötig schwer machen, den Satz fehlerfrei zu sprechen.
3. Die Anapher
Die Anapher ist die große Schwester der Alliteration und ebenfalls eine Form der Wiederholung: Sie beschreibt die Verwendung des gleichen Wortes oder der gleichen Wortkombination am Anfang mehrerer aufeinanderfolgender Sätze oder Satzteile, wie zum Beispiel in
Ich fahre jetzt Fahrrad, ich fahre so lang wie ich will, ich fahre schnell und ich fahre langsam.
Dieses rhetorische Mittel hilft dabei, Auflistungen dramatischer zu gestalten und zusammenhängenden Sätzen einen angenehmen Rhythmus zu verleihen. Wie beim allgemeinen Wiederholen gilt auch hier: Weniger ist mehr, der Effekt kann schnell ins Gegenteil umschlagen.
4. Die Epipher
Im Gegensatz zur Anapher ist die Epipher ein sich wiederholendes Satz- oder Satzteil-Ende, zum Beispiel
Das ist mein Fahrrad. Ich mag mein Fahrrad. Jeder ist neidisch auf mein Fahrrad.
In ihrer Funktion ist sie der Anapher ähnlich, und sorgt dadurch für Abwechslung, wenn von dieser bereits ausgiebig Gebrauch gemacht wurde.
5. Die Ironie
Die Ironie ist ein rhetorisches Stilmittel, das etwas durch sein genaues Gegenteil ausdrückt und eine willkommene humoristische Auflockerung eines Vortrags sein kann. Beispielsweise:
Wir wissen alle, dass ich mit Radfahren nichts zu tun habe, also habe ich dazu eine völlig neutrale Einstellung.
Wichtig ist hierbei, dass das Publikum über genug Wissen verfügt, um die Diskrepanz zwischen Aussage und Realität zu erkennen, oder, wenn ein Thema mit einer ironischen Aussage begonnen wird, diese zeitnah aufzuklären, da widersprüchliche Aussagen sonst nur zu Verwirrung führen. Im Beispiel verstehen wir die Ironie, weil alle vorangegangenen Beispiele eine gegenteilige Einstellung vermuten lassen. Dies kann bis zu einem gewissen Grad auch durch den Tonfall des Sprechenden erreicht werden, funktioniert aber häufig besser, wenn die ausgedrückte Meinung dem Publikum bekannt ist und von ihm geteilt wird.
6. Der Sarkasmus
Der Sarkasmus kann ebenfalls als humorvolles Stilmittel verstanden werden, ist aber im Gegensatz zur Ironie mit voller Absicht persönlich verletzend gemeint, während eine ironische Aussage durchaus wertneutral sein kann. Der Sarkasmus kann sich ironischer Rhetorik bedienen, die beiden Begriffe sind aber nicht austauschbar. Nehmen wir an, unsere Beispielperson Fabian hätte beim Abholen seines neuen Fahrrades mit der Hilfe seines besten Freundes Frank gerechnet, dieser hätte aber bereits andere Pläne gehabt, könnte Fabian sagen:
Und dann habe ich das Fahrrad abgeholt, zu Fuß übrigens, vielen Dank für die Hilfe Frank, du bist ein wahrer Freund!
Obwohl die Aussage das Gegenteil der Wahrheit aussagt, also ironisch ist, macht ihre anklagende und bittere Absicht sie auch zu einer sarkastischen Äußerung.

7. Der Zynismus
Der Zynismus ist dem Sarkasmus nah, und bedient sich seiner Rhetorik, ist aber im Gegensatz zu ihm weniger persönlich und eher weltanschaulich. Eine zynische Weltsicht zeigt sich in der Ablehnung von Normen und Werten, während eine sarkastische Aussage meist eine konkrete Reaktion ist. Dementsprechend ist Zynismus als rhetorisches Mittel beispielhaft schwer zu beschreiben, und zieht sich durch die gesamte Ausdrucksweise. Auch er kann humorvoll und unterhaltend wirken, dies ist aber deutlich mehr von Publikum abhängig und sollte in seriösen Situationen eher im Zaum gehalten werden.
8. Die Antithese
Mit der Antithese folgen eine Aussage und ihr direktes Gegenteil direkt aufeinander. Dies wird in Argumentationen gern genutzt, um Aussagen gegenüberzustellen und dann das gegnerische Argument zu widerlegen. So wirkt der Redner anderen Meinungen gegenüber aufgeschlossen, und kann dennoch seine eigene zum Ausdruck bringen. In Fabians Fall:
Frank sagt, Fahrräder sind langweilig. Fahrräder sind nicht langweilig. Radfahren ist viel aufregender als zu Fuß gehen!
9. Die Akkumulation
Die Akkumulation ist eine rhetorische Figur, die häufig dazu genutzt wird, die wiederholte Nutzung derselben Wörter oder Phrasen zu vermeiden, indem sie durch eine Auflistung von (synonymen) Begriffen ersetzt werden, die thematisch dazu passen. Zum Beispiel anstelle von Radfahren:
Durch die Gegend radeln, in die Pedale treten, sich den Wind um die Nase wehen lassen
Zu viele Auflistungen können Ihren Text allerdings leicht umständlich wirken lassen, also ist auch hier moderate Nutzung empfehlenswert.
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10. Die Steigerung
Die Steigerung ist ebenfalls eine Form der Auflistung, wird in der Rhetorik allerdings weniger als Ersatz für etwas, sondern als Unterstreichung einer positiven Eigenschaft oder Situation genutzt. Als Beispiel für dieses rhetorische Mittel:
Ich fahre nicht einmal am Tag, nicht zweimal am Tag, sondern dreimal am Tag Fahrrad!
11. Die Metapher
Zu den berühmtesten Figuren der Rhetorik gehört auch die Metapher: Sie wird häufig genutzt, um einen Sachverhalt verständlicher darzustellen. Um bei unserer Fahrradthematik zu bleiben:
Meine Radtour war mir ein inneres Blumenpflücken!
Obwohl Blumenpflücken und Radfahren nichts miteinander zu tun haben, ist durch die Metapher doch zu erkennen, dass damit gemeint ist, dass Fabian die Radtour gefallen hat.
12. Die Allegorie
Im Gegensatz zur Metapher nutzt die Allegorie artverwandte Wörter, um einen Begriff zu beschreiben. In Ermangelung einer passenden Allegorie für die Fahrrad-Thematik weichen wir hier von ihr ab und versuchen es mit folgenden Beispielen: „Die Krone“ für Mitglieder der Königsfamilie oder „Der Sensenmann“ als Allegorie für den Tod.
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Fazit
Mit den oben genannten rhetorischen Figuren und Stilmitteln versorgt, haben Sie nun das Handwerkszeug für einen gelungenen und erinnerungswürdigen Vortrag. Falls Sie sich darüber hinaus noch weiter informieren möchten, empfehlen wir unseren Artikel rhetorische Tricks von Politikern sowie die Webseite „wortwuchs.net“ oder die Videos der YouTube-Kanäle „How to Deutsch“, „RedeFabrik“ oder „DieMerkhilfe“.
In diesem Sinne, viel Erfolg und viel Spaß beim Verfassen Ihrer Reden, Vorträge, Präsentationen.
Mehr zum Thema auf www.soft-skills.com
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