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Was versteht man eigentlich unter... Psychosen?

Psychosen - was ist das? (© eyeQ / Fotolia)

Die Psychose ist eine häufige psychische Erkrankung. Es handelt sich um einen Komplex multipler Symptome, der durch den ICD 10-Schlüssel definiert wird als akute vorübergehende Störung, die durch den plötzlichen Beginn psychotischer Symptome wie Wahnvorstellungen, Halluzinationen und andere Wahrnehmungsstörungen und durch eine schwere Störung des normalen Verhaltens charakterisiert ist.

Psychosen – was ist das? Und welche Ursachen kann eine Psychose haben?

Die Psychose kann jeden treffen. In Deutschland erleben 1 – 2% der Bevölkerung eine solche Erkrankung. Beide Geschlechter sind gleichermaßen betroffen. Vor allem junge Menschen vor dem 30. Lebensjahr erkranken. Die Ursachen sind vielfältig. Medikamente können Psychosen auslösen, z. B. Kortisonpräparate. In der Folge von Drogenkonsum (z. B. LSD, Cannabis) sind Psychosen ein häufiges Krankheitsbild. Auch Geburtsstress kann zur sogenannten Wochenbettpsychose führen.

Menschen mit Erkrankungen, die zu einer Veränderung der Funktion des Gehirns führen – wie Epilepsie, Multiple Sklerose, Schizophrenie und die Schüttellähmung (Morbus Parkinson) oder Demenz – sind besonders anfällig für Psychosen. Auch Alkoholmissbrauch kann zur Psychose führen, vor allem wenn es zu plötzlicher vollständiger Alkoholabstinenz kommt (Delir).

Viele Stoffwechselerkrankungen können die Erkrankung ebenfalls auslösen. So sieht man bei der Kupferstoffwechselstörung (M. Wilson) bei 10 – 20% der Patienten psychiatrische Symptome wie bei einer Psychose. Auch seltene erbliche Stoffwechselstörungen wie z. B. die cerebrotendinöse Xanthomathose, die Homocysteinämie und Porphyrien können mit einer Psychose manifest werden.

Welche Symptome haben Psychosen?

  • Die Wahrnehmung ist gestört und der Bezug zur Realität geht verloren.
  • Das Verhalten ist völlig verändert.
  • Es kann zu optischen und akustischen Halluzinationen kommen – der Patient sieht oder hört Dinge, die real nicht existieren.
  • Auch Geruchshalluzinationen sind möglich und werden sogar als besonders unangenehm empfunden, da sie oft mit Vergiftungsängsten einhergehen.
  • Die Patienten sind manchmal rastlos und manchmal antriebslos und reagieren völlig irrational und unvorhersehbar. Sie nehmen ihre Umwelt verzerrt wahr.
  • Schlafstörungen, Ängste, Depression und fehlende Lebensfreude fallen auf.
  • Oft zeigen die Patienten auch plötzlich ein extremes Interesse für Religion und Mystik.
  • Sie sind misstrauisch, neigen zu Feindseligkeit und werden schnell aggressiv.
  • Manche Patienten haben den Eindruck, sie seien nicht mehr sie selbst.
  • Häufig beziehen sie alle Wahrnehmungen fälschlicherweise auf sich selbst (Beziehungswahn, Verfolgungswahn).
  • Sie haben oft auch das Gefühl, dass ihre Gedanken ferngesteuert werden können und ihnen nicht mehr selbst gehören, weil jeder sie sehen kann. Typische Ängste sind z. B. die Befürchtung, abgehört zu werden, die Sorge, dass jemand die Gedanken liest oder die Angst, verfolgt und vergiftet zu werden

Umgang mit psychotischen Angehörigen

Psychosen – was ist das? … fragen sich AngehörigeFür Angehörige ist die Situation ähnlich belastend wie für die Patienten selbst. Sie können das Verhalten des Erkrankten natürlich nicht nachvollziehen, bemerken nur die extreme Veränderung und sind entsprechend verunsichert. Oft ist es auch schwierig, den Kranken zur Kontaktaufnahme mit professionellen Helfern zu bewegen.

Es ist wichtig ruhig zu bleiben und Stabilität, Vertrauen und Sicherheit auszustrahlen. Vorwürfe und Streit sollten vermieden werden – sie führen in dieser Situation zu nichts und machen den Umgang nur schwieriger (Streitschlichtung Methoden).

Unterstützung bei alltäglichen Dingen ist sehr wichtig, da oft auch banale Dinge nicht mehr korrekt ausgeführt werden können. Es ist nicht sinnvoll, zu versuchen, dem Kranken seine Wahnvorstellungen auszureden. Stattdessen sollte man sich bemühen, sich für die Erlebniswelt des Kranken zu interessieren, sich in sie einzufühlen und ihn zu unterstützten, ohne weiter auf die Wahnvorstellungen einzugehen.

Trost und Hilfsangebote sind sehr wichtig. Es ist aber entscheidend, den Patienten dazu zu bringen, sich in ärztliche Behandlung zu begeben.

Leider können Patienten auch selbst- oder fremdgefährdend sein. Holen Sie im Zweifelsfall Hilfe, bevor Ihnen oder Ihrem kranken Angehörigen etwas passiert.

Wie kann man eine Psychose behandeln?

Eine medikamentöse Behandlung mit Antipsychotika (z. B. Neuroleptika) ist in der Regel erforderlich. Dadurch bilden sich die Halluzinationen und Wahnvorstellungen zurück. Zusätzlich sollte die Ursache wenn möglich ausgeschaltet werden – das auslösende Medikament abgesetzt, die Grunderkrankung behandelt werden.

Daneben müssen die Patienten umfassend auch sozial betreut werden. Es geht um den Erhalt des Arbeitsplatzes, des sozialen Umfeldes. Die Patienten müssen anfangs in einem geschützten Umfeld verlorengegangene Fähigkeiten wieder erlernen. Oft ist die Tagesstruktur verloren gegangen und muss wiederaufgebaut werden. Die Belastungsfähigkeit muss immer wieder erprobt werden (Belastbarkeit verbessern). Verhaltenstherapie und Psychotherapie können unterstützend wirken

Man muss leider mit einer Dauer der Erkrankung von drei Monaten und länger rechnen. Wichtig und entscheidend ist aber zu wissen, dass bei frühzeitiger Behandlung die Prognose der Erkrankung günstig ist. Es ist ein Irrglaube, dass die Beschwerden nie mehr weggehen. Die Symptome bilden sich sehr oft vollständig zurück. Manche Menschen müssen aber auch lebenslang Medikamente einnehmen, insbesondere wenn die Grunderkrankung das erfordert. Dabei kann es sich um Präparate handeln, die den Stoffwechsel normalisieren (z. B. bei der Störung des Kupferstoffwechsels, dem M. Wilson), aber auch um Neuroleptika und atypische Antidepressiva (z. B. bei der Schizophrenie). Im Vordergrund steht aber die Tatsache, dass man auch mit einer längeren medikamentösen Behandlung vollständig genesen kann – das kann nicht oft genug betont werden.


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