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Wann bin ich eine „Persönlichkeit“?

Wenn Persönlichkeit als ein „einzigartiges und relativ stabiles Muster von Verhaltensstilen, Denkprozessen und Emotionen einer Person“ (Weinert 2004, S. 131) betrachtet wird, sind Selbstkonzept und Selbstwertgefühl tief darin verankert. In der Alltagspsychologie bezieht sich der Begriff der „Persönlichkeit“ auf die „Individualität“ einzelner, auf ihren „Charakter“. Eine Persönlichkeit in diesem Sinne kann „stark“ oder „schwach“ sein, „Ecken und Kanten“ haben oder aber „ohne jegliches Profil“ sein.

Die Betrachtung der „Persönlichkeit“ im wissenschaftlichen Sinne ist anders. Sie ist primär auf das Aufdecken bzw. Erforschen einer Vielfalt von Aspekten des menschlichen Handelns und Seins sowie ihrer Dynamik gemäß wissenschaftlicher Regeln und Paradigmen ausgerichtet. Um sich mit der eigenen Persönlichkeit und in einem zweiten Schritt auch mit der Persönlichkeit von Mitarbeitenden, Vorgesetzten und Peers auseinandersetzen zu können, ist es für Führungskräfte hilfreich, sich für den Persönlichkeitsbegriff eine Art Vorlage („template“) aus der Wissenschaft zu leihen und spezifische Dimensionen der Persönlichkeit abzustecken. Eine solche Betrachtung hilft, den Facettenreichtum einer Person zu erfassen, ihn zu betrachten und zu vergleichen. Asendorpf und Neyer postulieren neben dem Selbstkonzept (s.o.) fünf weitere Bereiche der Persönlichkeit, die im Rahmen der Persönlichkeitspsychologie erforscht werden (Asendorpf und Neyer 2012, S. 131–223):

  1. physische Merkmale wie Körperbau und physische Attraktivität
  2. Temperamente und interpersonelle Stile wie Extraversion, Neurotizismus und Kontrolliertheit
  3. Fähigkeiten wie Intelligenz (IQ und andere Intelligenzaspekte, Kreativität, soziale Kompetenz, emotionale Kompetenz)
  4. Handlungseigenschaften wie Bedürfnisse, Motive und Interessen, Handlungsüberzeugungen und Problembewältigungsstile
  5. Werthaltungen und Einstellungen im Sinne von Bewertungsdispositionen

(…)

Persönlichkeit - Aspekte, Bestandteile, Definition, Begriffe (© fotodo / Fotolia)

Persönlichkeit – Aspekte, Bestandteile, Definition, Begriffe (© fotodo / Fotolia)

Quellenangabe: Spisak, Mona; Della Picca, Moreno (2017): Führungsfaktor Psychologie. Fragen aus der Führungspraxis - Antworten aus der Psychologie. Seite 11-12.
Link zur Quelle: https://www.amazon.de/exec/obi...

Kommentar zum Zitat:

Es ist ziemlich schwer zu definieren, was "Persönlichkeit" ist, und wann man eine "Persönlichkeit" sei. Oder - wie man es nimmt - es ist ziemlich einfach. Nämlich dann, wenn man gar nicht den Anspruch hat, die Definition von Persönlichkeit zu finden oder zu setzen, sondern es als relativ vielschichtiges Begriffskonzept sieht.

Klar ist: Ein übersteigertes Selbstwertgefühl macht keine "Persönlichkeit". Aber Selbstbewusstsein als solches braucht es, um als Person positiv wirken zu können.

Viele unserer Persönlichkeitszüge und -merkmale sind uns gar nicht bewusst; das Konzept des JOHARI-Fensters beschreibt das sehr gut. Oft ist es auch so, dass Elemente unseres Selbstbilds im Fremdbild, das wir bei anderen erzeugen, gar nicht auftauchen. Hier ist ein explizit durchgeführter Selbstbild Fremdbild Abgleich eine mitunter erhellende Aktivität.

Persönlichkeitsmodelle und Persönlichkeitstests sind eine Möglichkeit und Hilfe, Menschen in bestimmte "Schubladen" zu packen. So kann man vielleicht etwas eher erkennen und voraussagen, wie jemand in bestimmten Situationen reagiert, was ihn potentiell antreibt u.ä. - Dennoch bleiben Menschen Individuen, und je "individueller" jemand ist, umso mehr verstehen wir ihn auch als "Charakter-Persönlichkeit". Aber unsere "Menschenkenntnis" ist oft auch fehlerhaft, wir unterliegen Wahrnehmungsfehlern beim Einschätzen von Personen, siehe Beurteilungsfehler & Stereotype à la Pygmalion-Effekt.

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