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Wie kann man emotionale Intelligenz bei Kindern trainieren?

Emotionale Intelligenz bei Kindern trainieren (© Monkey Business / Fotolia)

Emotionale Intelligenz bei Kindern fördern?

Emotionale Intelligenz ist eine entscheidende Eigenheit des Menschen, die dazu dient seine eigenen Gefühle und auch die von seinen Mitmenschen wahrzunehmen, zu verstehen und zu beeinflussen. Kinder fangen schon früh an, diese Fähigkeit auszubauen und lernen von Tag zu Tag mehr über ihre Gefühle. Man kann sie dabei unterstützen.

Identifikation von Gefühlen

Kinder lernen Gefühle anderer anhand der Körperhaltung, der Mimik und Gestik (siehe Gestik und Mimik: Unterschied), gegebenenfalls auch über den Tonfall wahrzunehmen. Hierbei ist es jedoch Voraussetzung, dass das Kind das entsprechende Gefühl auch schon selbst empfunden hat und es einen Namen oder noch besser, eine Beschreibung dafür kennt.

Um Kindern das beizubringen, eignen sich Bilderbücher hervorragend! Ein Beispiel:

  1. Ein kleines Mädchen spielt mit ihrem Teddybär. Auf dem nächsten Bild sitzt sie in der Ecke und weint. Am besten fragen Sie ihr Kind zuerst, was das Mädchen da tut.
  2. Weisen Sie es auf die vielleicht aufgemalten Tränen in dem Gesicht hin und auf die Gestik des Mädchens.
  3. Fragen Sie Ihr Kind, wie sich das Mädchen fühlen könnte.
  4. Falls notwendig, erklären Sie, dass das Mädchen traurig ist und fragen Sie, warum das so sein könnte.
  5. Vielleicht sitzt neben dem Mädchen ein Junge und spielt nun mit dem Teddybär vom vorangegangenen Bild?
  6. Dann erklären Sie, dass der Junge dem Mädchen womöglich das Stofftier weggenommen hat und sie deswegen traurig ist.

Gefühle vor- und nachmachen vor dem SpiegelEine lustige Lern-Idee ist auch, sich mit den Kleinen vor dem Spiegel zu platzieren und mit Ihnen „Nachmachen“ zu spielen. Sie ziehen eine Grimasse, stellen ein Gefühl dar und die Kinder müssen erraten, welches es ist und es dann nachahmen.

Man kann auch ein Emotions-Memory aus Bildern erstellen, um die Empathie von Kindern spielerisch zu fördern.

Zu Hause, im Kindergarten, in der Grundschule?

Fragen Sie Ihr Kind nach dem Kindergarten oder nach der Schule, wie sein Tag war. Vielleicht erzählt es Ihnen von Freunden oder was es gelernt hat. Greifen Sie Zwischenmenschliches auf und sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, nehmen Sie hierbei Fokus auf Emotionen. Erzählt Ihre Tochter / Ihr Sohn beispielsweise von einem Streit zweier Schüler, fragen Sie noch mehr nach. Versuchen Sie beide Fronten zu erklären, soweit es Ihnen möglich ist und fragen Sie danach, ob Ihr Kind alles verstanden hat. So fördern Sie seine Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinzuversetzen und stärken seine Sozialkompetenz (siehe auch Definition „hineinzuversetzen“ / Empathie).

Rolle der Eltern, der Erzieher und der Gleichaltrigen

Als Elternteil sollten Sie stets Rücksicht auf die Gefühle Ihres Kindes nehmen, ihm zeigen, dass seine Emotionen wichtig und auch richtig sind, dass es hilft, über sie zu sprechen (siehe auch: eigene Gefühle ausdrücken und fremde Gefühle verbalisieren) So fängt Ihr Kind vielleicht schon bald an, ganz anders an Konflikte mit Gleichaltrigen heranzugehen. Es wird eher Mitleid mit einem anderen Kind zeigen, statt neidisch zu sein freut es sich vielleicht gemeinsam mit einem Freund über dessen neue Spielsachen.

Lernen von GleichaltrigenIn der Regel gilt jedoch, dass Kinder insbesondere Sozialkompetenz eher von Gleichaltrigen lernen. Beim Spielen, Streiten und Herumtoben sind sie ganz in ihrem Element und finden selbstständig heraus, wie sich so mancher Konflikt rasch lösen lässt oder wie man Freundschaften knüpft und aufrecht erhält (siehe auch: Streitkultur lernen). Vielleicht können Sie auch hierüber mit Ihrem Kind sprechen?


Emotionale Intelligenz bei Kindern trainieren: Spiele und Übungen

Zitat: Gefühlsquiz (aus: Spiele zum Umgang mit Konflikten)

Gefühlsquiz-Spiel im Kindergarten - Übung zum Trainieren nonverbaler Sensibilität und emotionaler Intelligenz (© Studio Grand Ouest / Fotolia)
«Das „Gefühlsquiz“-Spiel: Diesem Spiel sollte ein Stuhlkreis zum Thema Gefühle vorangegangen sein. Die Kinder stehen im Kreis. Ein Kind geht in die Mitte und konzentriert sich auf ein Gefühl. Das Kind kann sich das Gefühl entweder ...»

Zitat: „Ärgerspalier“-Spiel (aus: Spiele zum Umgang mit Konflikten)

Ärgerspalier-Spiel: Meckern vs. schöne Dinge sagen (© bst2012 / Fotolia)
«Das „Ärgerspalier“-Spiel: Die Gruppe wird in zwei Hälften geteilt. Die Kinder stellen sich in einem Spalier gegenüber auf. Der Abstand sollte mindestens sechs Meter betragen. Nun darf die eine Seite laut schimpfen und meckern, die ...»

Zitat: „Wutgesten“-Spiel (aus: Spiele zum Umgang mit Konflikten)

Wutgesten Spiel - Zeige mir deine Wut in Mimik und Gestik (© mina92 / Fotolia)
«Wutgesten: Dieses Spiel ist ein „Call-and-Response“-Spiel. Dazu bilden die Kinder einen Kreis. Jeweils ein Kind tritt nach vorne und vervollständigt den Satz: „Wenn ich wütend bin, dann …“ Mögliche Ergänzungen könnten sein: „… dann schreie ...»

Zitat: „Bildhauer“-Spiel (aus: Spiele zum Umgang mit Konflikten)

Das Bildhauer-Spiel im Kindergarten: Kinder sollen bei einem anderen Kind durch 'Formen' von Körpersprache bestimmte Gefühle zum Erraten darstellen (© pathdoc / Fotolia)
«Das Bildhauer-Spiel: Zwei Kinder sind Tonklumpen und ein Kind ist der Bildhauer. Der Bildhauer hat die Aufgabe, aus den beiden Tonklumpen eine Beziehung zu modellieren. Das heißt: Er darf die beiden Kinder so formen und ...»


Emotionale Intelligenz bei Kindern fördern und schulen: Inwieweit kann man Kindern überhaupt einen „souveränen und konstruktiven“ Umgang mit Gefühlen „beibringen“?

Kinder lernen im Spiel. Rollenspiele eignen sich hervorragend, um sich soziale Kompetenz anzueignen, Empathie zu üben und gewisse Verhaltensmuster zu festigen. Am einfachsten ist es, wenn Sie Ihrem Kind erklären, dass es anderen nichts antun soll, was es selbst nicht erleben möchte, selbst die ganz Kleinen verstehen das schon.

Ärger, Wut und Traurigkeit

Gefühle sind nicht bei jedem gleich – das muss man berücksichtigen, wenn man emotionale Intelligenz bei Kindern trainieren oder zumindest fördern will. In denselben Situationen wird es immer Menschen geben, die diese völlig anders empfinden als andere. Stirbt das geliebte Kaninchen, ist das eine Kind traurig und weint viel. Das andere hingegen ist vielleicht wütend und stapft durch die Gegend.

Verständnis für die kindlichen Emotionen spiegelnEs ist wichtig, dass Sie Ihrem Kind das Gefühl geben, dass Sie seine Emotionen verstehen. Zeigen Sie Ihrem Kind selbst, was Mitgefühl bedeutet, sagen Sie ihm, dass Sie seine Reaktion nachvollziehen können und bieten Sie Lösungsvorschläge, um seine Laune zu verbessern. Oder vielleicht hat Ihr Kind selbst schon eine Idee, um auf fröhlichere Gedanken zu kommen?

Vorbild sein: Eigene Gefühle artikulieren und mit den eigenen Gefühlen argumentieren, statt mit „Recht haben“ oder „Macht haben“Wenn Ihr Kind in bestimmten Situationen immer mit Ärger und Trotz reagiert, fragen Sie es in einem ruhigeren Moment, wie Sie diese verändern können oder sollen, damit sie angenehmer werden. Sagen Sie ihm auch, wie Sie sich selbst in diesen Situationen fühlen. Ganz wichtig ist, dass Sie hierbei immer aus der Ich-Perspektive sprechen. Beispiel: „Ich fühle immer etwas Ärger, wenn du… – und ich würde mich freuen, wenn du…“

Bringen Sie Ihrem Kind auch bei, zwischen Absicht und Versehen zu unterscheiden. Wird es beispielsweise von einem anderen Kind im Vorbeilaufen geschubst und weint, dann erklären Sie ihm, dass es sich vermutlich um ein Versehen gehandelt hat. Vielleicht geht Ihr Kind sogar zu dem anderen und fragt nach, ob es ein Versehen war? Wenn ja, entsteht vielleicht sogar eine neue Freundschaft.

Angenommen Ihr Kind rempelt ein anderes versehentlich an, erklären Sie ihm, dass es sich entschuldigen sollte.

„Ich vergebe dir, weil ich dich gerne mag.“Erklären Sie Ihrem Kind auch, dass es für manche Konflikte auch eine ganz andere Lösung gibt – Verzeihen. Wenn Ihre Tochter/Ihr Sohn beispielsweise sehr traurig ist, weil ein anderes Kind nicht mehr mit ihm spielen will, weil ein Konflikt vorliegt, dann könnten Sie ihm diese Lösung anbieten. Etwas zu Vergeben wird oftmals leider als Schwäche angesehen. Machen Sie Ihrem Kind klar, dass es viel mehr ein Zeichen von Stärke ist, dass es etwas Gutes und Nettes ist.

Es wird mit der Zeit selbst herausfinden, wann es eine Entschuldigung annehmen oder jemanden verzeihen möchte und wann nicht.

Mitgefühl

Die Fähigkeit, mit jemanden zu fühlen und seine Gefühle zu verstehen ist wirklich eine großartige Sache. Beim Mitgefühl ist es jedoch so, dass man es am ehesten vorleben sollte, als es zu erklären zu versuchen. Aber wenn Sie mit Ihrer Tochter / Ihrem Sohn am Spielplatz beispielsweise ein weinendes Kind sehen, können Sie sie/ihn ja dazu motivieren, zu ihm zu gehen und es zu trösten. Doch versuchen Sie auch, Ihrem Kind zu vermitteln, dass man auch Freude mitfühlen kann. Wenn ein guter Freund etwas Tolles gebastelt hat, dann sollte Ihr Nachwuchs sich mit ihm freuen. Zu Schade wäre es, wenn er neidisch oder ärgerlich darauf reagieren würde, oder?

Auch hier können Sie mit dem „Was du nicht willst was man dir tut, das füge auch keinem anderen zu“-Ansatz schon viel bewirken.

Positive Formulierungen – und: das „Glück im Unglück“ suchen

Jeder kennt Situationen, die ihn in Stress versetzen. Im Alltag sind sie bei einigen von uns sogar häufig anzutreffen, zum Beispiel im Verkehr oder wenn wir auf viele neue Menschen treffen. Doch jeder reagiert anders auf Stress. Ihr Kind reagiert darauf vielleicht mit Ärger, Wut oder Trotz?

Fragen Sie Ihr Kind, welche Situationen ihm Angst machen oder es stressen und schlagen Sie mögliche Lösungen vor. Hat eine Lösung funktioniert, so loben Sie Ihr Kind dafür. Aber auch der Versuch ist ein Lob („Verstärkung“) wert!

Eine vielleicht typische Stresssituation für Kinder ist der Zahnarzt oder bei manchen sogar der Friseur. Eventuell können Sie vor der Behandlung gemeinsam mit ihrem Kind und dem Arzt sprechen? Wenn Ihr Nachwuchs weiß, was ihn erwartet, dann ist es vielleicht nur noch halb so schlimm. Zudem sind Ärzte auch rhetorisch geschult und so manche spätere Zahnarztphobie kann womöglich vorgebeugt werden.

Weisen Sie oft wie möglich in emotional schwierigen Situationen auch auf Positives hin. Zeigen Sie Verständnis für die Gefühle und fragen Sie das Kind, ob es vielleicht selbst auch etwas Positives an einer Situation sieht. Oftmals wird das nicht der Fall sein und man ein trotzig-unglückliches „Nein“ ernten. Wichtig ist jedoch, das „Fragen nach etwas Positivem“, das „Suchen nach etwas Positivem“ selbst in gefühlt ’schlechten‘ Situationen und Gefühlslagen zu trainieren. Gibt es auch ein Glück im Unglück – in der aktuellen Situation? Wenn Kinder diese Technik früh vorgemacht bekommen und früh lernen, werden sie im Erwachsenenalter eine sehr viel höhere Frustrationstoleranz und Stressbelastbarkeit haben.

Ein besonders wichtiges Szenario liegt auch vor, wenn Ihr Kind traurig ist, weil es nicht die Leistung gebracht hat, die es selbst von sich erwartete. Eine Schularbeit ist vielleicht nicht perfekt ausgefallen oder die Mannschaft hat das Fußballspiel verloren. Hierbei ist zu sagen: Schimpfen bringt nichts, wenn das Kind sich bereits selbst schimpft, es verschlimmert womöglich nur die Situation. Trösten Sie lieber, wenn Sie Reue oder Traurigkeit merken, machen Sie Mut, dass es beim nächsten Mal besser laufen wird. Erklären Sie Ihrem Kind, dass Glücklichsein nicht von seinen Leistungen abhängig ist. Das ist wichtig zu lernen, um in unserer Leistungsgesellschaft später nicht völlig „abzusaufen“ – Psychotherapeuten können einen Lied davon singen, wie sehr Leistungsgesellschaft, Leistungsanforderungen, eigene Leistungsansprüche und zu hohe (eigene) Erwartungen an sich selbst zu Burnout, Erschöpfungsdepressionen etc. führen. Umso wichtiger ist es, dem Kind im Rahmen der Förderung und Schulung von emotionaler Kompetenz schützende Einstellungen und Selbstverbalisationen beizubringen. „Du bist gut, so wie du bist.“, „Du wirst bedingungslos geliebt, nicht weil Du XY gemacht oder geschafft hast.“, „Aus Fehlern lernt man.“, „Du hast Dein Bestes gegeben, das gut so, Du kannst stolz auf Dich sein.“, „Das Wichtigste ist, dass Du es versucht hast.“

Quellen:

Video zum Thema „emotionale Intelligenz bei Kindern trainieren“


youtube.com/watch?v=EwLRAzSx3fY – Wir konnten leider noch keine deutschsprachige Version der Bücher von Clara Peñalver finden.

Bücher zum Thema „EQ bei Kindern fördern“

Emotionale Intelligenz, Soziale Kompetenz und Soft Skills bei Kindern
Mehr zum Thema auf dieser Website:

Soft Skills und Soziale Kompetenz bei Kindern (© S. Kobold / Fotolia)

Soft Skills und Soziale Kompetenz bei Kindern

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