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HALO-EFFEKT

Heiligenschein- und Teufelshörner-Effekt

Ähnlich zum Primacy- und Recency-Effekt beschreibt auch der Halo-Effekt eine verbreitete Wahrnehmungsverzerrung bei unserer Einschätzung von Menschen. Der Halo-Effekt besteht nach E. L. Thorndike aus einer "Überstrahlung" ("Halo") eines einzelnen Merkmals über andere beobachtbare Merkmale.

Wir beobachten ein ganz bestimmtes Merkmal oder eine bestimmte Verhaltensweise positiv (negativ). Die Überstrahlung bewirkt, dass wir alle anderen Merkmale oder Verhaltensweisen ebenso positiv (negativ) beurteilen.

Der Effekt wirkt also in zwei Richtungen: Überstrahlt der positive erste Eindruck alles andere, spricht man vom Heiligenschein-Effekt. So kann jemand, der Ihnen besonders sympathisch ist oder sich in bestimmten Gebieten positiv hervorgetan hat, von Ihnen generell positiver eingeschätzt werden als jemand anders mit ansonsten gleichen Merkmalen und Verhaltensweisen. Überstrahlen ein negativer erster Eindruck, Fehltritte oder negatives Auffallen in einem bestimmten Gebiet die gesamte Einschätzung des restlichen Menschen, spricht man vom Teufelshörner-Effekt.

Ein hervorragendes Beispiel dafür ist die Bewertung der Nachrichtensprecherin im Fernsehen. Wirkt die Dame attraktiv und sympathisch, neigen wird dazu, ihr auch eine hohe Kompetenz zuzusprechen, vermuten, dass sie engagiert, aktiv, sportlich und nett ist, halten sie für intelligent etc. Dabei stehen uns nur minimale Informationen zur Verfügung: Die Tatsache, dass die Dame Nachrichtentexte fehlerfrei ablesen und vortragen kann, macht sie noch nicht intelligent, der sympathische Eindruck überstrahlt jedoch alle anderen Merkmale und führt zur Zuschreibung weiterer positiver Merkmale. Hat eine Person hingegen schon nachteilige Eigenschaften gezeigt, werden ihr noch nachteiligere Merkmale zugeschrieben.

Für die Menschenkenntnis als Soft Skill ist es wichtig diese Effekte zu kennen und sich ihrer Wirkung bei der eigenen Beurteilung von Menschen bewusst zu sein, um mögliche Fehleinschätzungen und daraus resultierendes unangemessenes Verhalten zu vermeiden.

Zusammenfassung

Der Halo-Effekt beschreibt das Phänomen, das ein einzelnes positives oder negatives Merkmal alle anderen Merkmale überstrahlt und der so von einer Wahrnehmungsverzerrung Betroffene die jeweilige Person nicht mehr "objektiv", sondern nur anhand eines einzelnen Merkmals beurteilt.
Der Halo-Effekt kann zu einer allgemeinen Aufwertung (Heiligenschein-Effekt) oder einer allgemeinen Abwertung (Teufelshörner-Effekt) aufgrund des einen, alles überstrahlenden Merkmals führen.