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Affektblindheit und neuronale Überfälle

Warum wir manchmal ausrasten

Das Konzept der "Affektblindheit" (mitunter auch der "neuronalen Überfälle") besagt im Ergebnis der Studien vieler Gehirnforscher, dass in kritischen Situationen Bereiche des aus der Urzeit der menschlichen Evolution stammenden Stammhirns (Reptilienhirns) die Kontrolle über unser Verhalten und unsere Reaktionen übernehmen. Dieser Teil des Gehirns ist auf primitive Reaktionsmuster wie "Angreifen", "Verstecken" oder "Weglaufen" programmiert.

Entscheidend für Einfühlungsvermögen als Soft Skill ist die Kenntnis um den Zusammenhang, dass in individuell kritischen Situationen Teile des Gehirns standardisierte Verhaltensmuster als Reaktion auslösen, bevor über den Reiz und die Reaktion als solche nachgedacht werden kann. Dies erklärt, warum Menschen in bestimmten Situationen dazu tendieren, irrational zu handeln und mit ihren Reaktionen zu übersteuern. Eine kognitive Verarbeitung des Reizes und eine rationale, "intelligente" Reaktion darauf ist somit in Situationen, die jemand zum Beispiel als existenzbedrohend empfindet, nicht oder erst zu einem späteren Zeitpunkt möglich. Insofern hilft dieses Modell das "Ausrasten" und die Irrationalitäten von Mitmenschen besser zu verstehen und somit einfühlsamer, gelassener und souveräner damit umzugehen. So lassen sich unnötige Eskalationen in zwischenmenschlichen Auseinandersetzungen zu vermeiden. Vergleichen Sie dazu auch die Bücher von Daniel Goleman über emotionale Intelligenz.

Zusammenfassung

Das Modell der Affektblindheit oder neuronalen Überfälle erklärt, warum Menschen in kritischen und für sie als bedrohlich wahrgenommenen Situationen häufig irrational handeln und mit ihren Reaktionen übersteuern.

Das menschliche Stammhirn führt zu einer instinktiven Kurzschlussreaktion, lange bevor der eingehende Reiz kognitiv verarbeitet und eine rational-intelligente Reaktion gewählt und durchgeführt werden kann.

Die Kenntnis des Konzepts der Affektblindheit und der neuronalen Überfälle erleichtert im Sinne des Einfühlungsvermögens, die Reaktionen und Verhaltensmuster anderer Menschen zu verstehen und darauf selbst mit größerer Gelassenheit und Souveränität zu reagieren.


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