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Groupthink und Gruppenkonformität: Was Teams und ihre Mitglieder wissen sollten

Zustimmung in der Gruppe (© fotogestoeber / Fotolia)

Hat die Mehrheit der Gruppe automatisch Recht?

Groupthink bezeichnet das dem kritischen Einzelverstand entgegengesetzte Gruppengeist-Denken. Dabei ordnet der Einzelne im Team seine eigene, kritische Meinung dem scheinbaren Konsens der Teammehrheit unter. Nicht der eigene Sachverstand sondern die Gruppennorm dient als Orientierung für Entscheidungen. Wichtig dabei: Die Bereitschaft, sich bei der eigenen Entscheidung an den Urteilen anderer zu orientieren steigt, wenn man in Anwesenheit anderer Personen Entscheidungen trifft.

Dieses Verhalten ist meist dadurch motiviert, die Harmonie im Team zu erhalten und den Zusammenhalt zu fördern, führt allerdings tendenziell dazu, Konflikte zu vermeiden und träge zu werden. Dadurch besteht die Gefahr, dass falsche Entscheidungen im Team aufgrund von Konformitätszwang oder Konformitätsbestrebungen getroffen werden. Besonders kritisch ist, dass verschiedene Studien immer wieder neu belegen, dass ein erheblicher Prozentsatz von Personen das eigene Urteil selbst dann dem Urteil der Gruppe anpasst, wenn dieses offensichtlich falsch ist.

„Eigensinnig“ kann seine Vorteile haben…

Groupthink zu begrenzen und eigenes, kritisches Denken der Teammitglieder zu erhalten, ist eine wichtige Aufgabe für Teamleiter. Nützliche Maßnahmen dafür sind die Ermunterung zur Kritik durch den Teamleiter, parallel arbeitende Gruppen, die Aufteilung von Teams in Untergruppen sowie das Hinzuziehen von externen Fachleuten. Insgesamt ist ratsam, dass sich der Gruppenleiter zurückhält, um blindes Vertrauen in die Teamführung zu verhindern und eigenes, kritisches Denken zu fördern. Als besonders wirksam hat sich außerdem erwiesen, in jeder Teamsitzung ein Gruppenmitglied gezielt die Rolle des Kritikers einnehmen zu lassen.

Der Groupthink-Effekt ist auch als Strong-culture-Effekt oder Schweinebucht-Effekt bekannt. Letztere Bezeichnung spielt auf die Kubakrise und die Invasion amerikanischer Truppen in der kubanischen Schweinebucht an, die unter Präsident Kennedy zum Fiasko wurde, weil Kennedy und seine erfahrenen, angesehenen und gut informierten Gruppenmitglieder sich bei der Planung und Invasionsentscheidung nicht von ihrem eigenen Verstand, sondern dem scheinbaren Gruppenkonsens und dem Verlass auf die Richtigkeit der Gruppenmeinung leiten ließen.

Groupthink und Gruppenkonformität nehmen insbesondere dann signifikant zu, wenn eine Belohnung nur bei Erreichen eines gemeinsamen, hohen Ziels winkt. Aufgaben und Organisationstrukturen, die für die Zielerreichung gegenseitige Zusammenarbeit, Zusammenhalt und Abhängigkeit bedingen und belohnen, bergen somit besonders die Gefahr, dass abweichende Meinungen und neue Ideen zurückgehalten oder nicht weiter in Betracht gezogen werden. Somit hat das Setzen von Gruppenzielen und Gruppenbelohnungen nicht nur Vorteile, sondern kann im Zweifel auch Nachteile mit schwerwiegenden Konsequenzen nach sich ziehen (s. Schweinebucht). Diese können mit den o.g. Maßnahmen eingedämmt werden.

Zusammenfassung

  • Menschen in Gruppen neigen zu Konformität in der Form, bei Entscheidungen in Anwesenheit anderer, den eigenen Verstand und die eigene kritische Meinung der Gruppenmehrheit unterzuordnen.
  • Die Unterordnung der eigenen Meinung oder kontroverser Ideen und Standpunkte erfolgt regelmäßig auch dann, wenn die Gruppenmeinung offensichtlich falsch ist.
  • Groupthink und Gruppenkonformität kann u.a. dadurch begegnet werden, in Teammeetings regelmäßig ein Mitglied die Rolle des Kritikers einnehmen zu lassen und generell Kritik einzufordern und zu belohnen.

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Bildnachweis Titelbild: © fotogestoeber / Fotolia