Buchtipp: Die 50 besten Spiele zum Umgang mit Konflikten

Erwarten Sie nicht zu viel von diesem Buch – es ist erstens nur ein kleines „Booklet“. Zweitens geht es nicht primär um Übungen und Spiele, die man für Konfliktmanagement Trainings / Seminare für Erwachsene nutzen mag. Denn: Die Spiele sind primär als Kinderspiele beschrieben, also zum Beispiel als Hilfe für Erzieher im Kindergarten gedacht. Das heißt jedoch nicht, dass man die vorgestellten Konfliktmanagement-Spiele nicht doch im Einzelnen auch für Erwachsenentrainings nutzen kann. Doch dazu später mehr.

Vorher noch ein anderer Punkt, warum wir erst einmal warnen, man solle nicht zu viel erwarten von dem Buch: 50 Spiele klingt sehr viel, nach einem umfangreichen „Sammelband“. Doch auch das ist es nicht – und wer beim Onlinekauf nicht auf den angegebenen Seitenumfang achtet, wird beim Auspacken vielleicht enttäuscht sein, dass es gerade einmal 77 Seiten fasst.

Andrea Behnkes „Die 50 besten Spiele zum Umgang mit Konflikten“ ist ein ganz kleines Handbüchlein – ähnlich zu beliebten Haufe „Taschenguides“ – und kommt ohne viel Gerede zur Sache: Nämlich kurz und schnell Anregungen für Spiele zu geben, die man mit Kindern z.B. im Kindergarten machen kann, und die in gewisser Weise einen „pädagogischen Wert“ bzw. Hintergedanken haben.

Der Hintergedanke hier lautet in etwa, so suggeriert der Buchtitel:

  • „Konfliktmanagement spielerisch üben“ oder
  • „Konfliktbewältigungsvermögen trainieren bei Kindern“.

Beim Durchlesen des Büchleins haben wir jedoch öfter gedacht, dass ein besserer Buchtitel gewesen wäre:

  • Spiele zum Training emotionaler Intelligenz bei Kindern oder
  • Körpersprache üben im Kindergarten oder
  • Nonverbale Sensibilität fördern bei Kindern oder auch
  • Soziale Kompetenz trainieren bei Kindern – Übungen und Spiele.

Sind das wirklich Konfliktmanagement Spiele / Übungen?

Öfter haben wir gedacht: „Das ist eigentlich eher ein Spiel zum Training emotionaler Intelligenz“ (und hat nur bedingt etwas mit Umgang mit Konflikten zu tun) oder „dieses Spiel ist eigentlich eher eine Übung zum Schärfen nonverbaler Sensibilität“.

Uns ist schon klar: für gute Fähigkeiten im Umgang mit Konflikten sind eben emotionale Intelligenz und auch nonverbale Sensibilität nötig. Sprich: einerseits Gefühle wahrnehmen und sich bewusst machen zu können, emotionale Wirkmuster und deren Konsequenzen verstehen. Und auch: die Körpersprache der anderen lesen können, und ein Bewusstsein dafür haben, wie man den eigenen Körper (u.a. in Mimik und Gestik) sprechen lässt, und welche Wirkung das auf andere hat. Generell, gerade aber auch in Konflikten. Dennoch fanden wir viele Spiele irgendwie nicht so gut eingeordnet unter dem Titel „Spiel zum Umgang mit Konflikten“. Bzw. andersherum: Die Zuordnung wirkte mitunter etwas sehr weit hergeholt. Das soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine ganze Reihe der vorgeschlagenen spielerischen Aktivitäten ganz hervorragende Ideen sind, mit denen generell auch Soft Skills und soziale Kompetenzen in aller Breite aktiv im Kindergarten gefördert werden können. – Und deswegen kommt das Buch auf der Website hier auch zur Vorstellung und Empfehlung, obwohl vielleicht der Eindruck entsteht, wir hätten erst einmal nur jede Menge Kritik daran ;-).

Teilweise auch im (Erwachsenen-) Konfliktmanagement Training / Seminar nutzbar

Eine Rezensentin bei Amazon bringt es auf den Punkt, was wir auch gedacht haben:

… Auch wenn man erst meint, dass das Ganze nur für jüngeres Klientel geeignet ist: Bei genauerem Hinschauen erkennt man schnell, dass man bei ein wenig Abwandlung bei allen Altersgruppen Anwendung findet. (Susann Beier @Amazon)

So kann zum Beispiel das „Wutgesten“-Spiel sehr wohl auch in Trainings für Erwachsene eingebunden werden, denn es zeigt dem Einzelnen sehr massiv, wie das eigene Verhalten wirkt, wenn plötzlich alle anderen Teilnehmer die Geste bzw. das Verhalten, das man selbst bei Wut vorgemacht hat, in der Masse zurückspiegelt. Je mehr man dazu neigt, „auszurasten“, umso drückender ist die Erfahrung, wenn plötzlich 10 andere Teilnehmer um einen herum genau auch so „aggressiv ausrasten“. Und ja: Je mehr Teilnehmer man in einer Seminar-/Trainingsgruppe hat, umso potentiell mehr unterschiedliche Wege und Weisen sieht man, wie andere mit Wut umgehen. Das verhilft zu der Erfahrung, dass man sich eben auch anders verhalten kann, wie man es üblicherweise selbst tut. Das Reflektieren solcher Konfliktmanagement-Übungen kann im Ergebnis zu einem „sozial kompetenteren“ Konfliktverhalten führen.

Für Pädagogen in der Kinder- und Jugendbetreuung ist das Buch in jedem Fall eine handliche Inspiration für den Arbeitsalltag und die Überlegung, was man an sinnvollen „Spielen“ mit Kindern machen kann. Aber auch Eltern mögen so manch Inspiration finden – und manche Spiele kann man auch nur zu zweit oder dritt zu Hause „spielen“.

Siehe weiterführend auch: Soziale Kompetenz bei Kindern, Emotionale Intelligenz bei Kindern.

Zitate aus diesem Buch:

Das "Gefühlsquiz"-Spiel: Diesem Spiel sollte ein Stuhlkreis zum Thema Gefühle vorangegangen sein. Die Kinder stehen im Kreis. Ein Kind geht in die Mitte und konzentriert sich auf ein Gefühl. Das Kind kann sich das Gefühl entweder selbst ausdenken oder aber ein anderes Kind flüstert ihm ein Gefühl ins Ohr. Dann stellt das Kind das Gefühl mit seinem ganzen Körper dar. Es darf sich auch in diesem Gefühl bewegen - nur benennen darf es das Gefühl nicht. Denn die anderen Kinder sollen das Gefühl erraten. (mehr …)

Das "Ärgerspalier"-Spiel: Die Gruppe wird in zwei Hälften geteilt. Die Kinder stellen sich in einem Spalier gegenüber auf. Der Abstand sollte mindestens sechs Meter betragen. Nun darf die eine Seite laut schimpfen und meckern, die andere Seite sagt nette, freundliche Dinge. Wer nicht frei schimpfen lassen möchte, kann auch Schimpfvarianten vorgeben, zum Beispiel "Ich hab' die Nase voll!" oder: "So ein Mist". Es geht nicht darum, dass die Kinder sich gegenseitig beschimpfen, sondern darum, dass sie im geschützten Raum laut motzen und meckern dürfen. Nach einer Zeit ist Seitenwechsel: (mehr …)

Wutgesten: Dieses Spiel ist ein "Call-and-Response"-Spiel. Dazu bilden die Kinder einen Kreis. Jeweils ein Kind tritt nach vorne und vervollständigt den Satz: "Wenn ich wütend bin, dann ..." Mögliche Ergänzungen könnten sein: "... dann schreie ich.", "... dann balle ich meine Faust." oder: "... dann werde ich ganz klein." Jüngeren Kindern fällt es in der Regel leicht, ihre Wut weniger verbal, also nur mit Worten, als mit dem gesamten Körper auszudrücken. Nachdem ein Kind in den Kreis getreten ist und seine Wutgeste vorgemacht hat, tritt es wieder zurück. Daraufhin gehen alle anderen einen Schritt in den Kreis und machen das Kind nach. Sie wiederholen Satz und Geste, möglichst genauso, wie das Kind zuvor (mehr …)

Das Bildhauer-Spiel: Zwei Kinder sind Tonklumpen und ein Kind ist der Bildhauer. Der Bildhauer hat die Aufgabe, aus den beiden Tonklumpen eine Beziehung zu modellieren. Das heißt: Er darf die beiden Kinder so formen und positionieren, wie er möchte, die beiden lassen alles mit sich machen. Der Bildhauer entscheidet, ob er ein Paar erarbeitet, das sich mag, vielleicht zusammen spielt, oder zwei Menschen, die sich gerade streiten. Gesprochen werden darf nicht. Der Rest der Gruppe schaut zu. Wenn der Bildhauer mit seinem Werk zufrieden ist, sollte die Skulptur noch ein wenig in ihrer Position verharren. Dann (mehr …)

Inhaltsverzeichnis (Auszug)

  1. Spiele rund um Gefühle
    1. Gefühlsbilder
    2. Königin im Staate 1-2-3
    3. Gefühlsquiz
    4. Ansteckende Gefühle
    5. Dem König gefallen
    6. Gruppe sortieren
    7. Ins Loch gefallen
    8. Bildhauer
    9. Ärgerspalier
    10. Mimürfel-Spiele
  2. Spiele zum Wutabbau
    1. Ballonspiel
    2. Beschimpfen erlaubt
    3. Zeitlupenprügelei
    4. Wutbälle
    5. Im Zoo
    6. Wutkonzert
    7. Wutgesten
    8. Schnick-Schnack-Schnuck im Mittelalter
    9. Monster und Mäuse
    10. Wutcollage
  3. Kooperationsspiele
    1. Marionettenlauf
    2. Blindenführung
    3. Das Oh-ja-Spiel
    4. Die Maschine
    5. Drei-Bein-Laufen
    6. Bis 20 zählen
    7. Blinde Baumeister
    8. Die Lemminge
    9. Spiegelbild
    10. Roboterlauf
  4. Spiele rund ums Zuhören
    1. Kofferpacken
    2. Schleichende Katze
    3. Piepmätze
    4. Stille Post
    5. Lockrufe
    6. Geräuschememo
    7. Bello, Bello, dein Knochen ist weg
    8. Fuchs und Hase
    9. Plumps
    10. Wortjonglage
  5. Kommunikationsspiele
    1. Kleine Architekten
    2. Plappernde Klappmaulfrösche
    3. Fliegende Worte
    4. Flüsterunterhaltung
    5. Blickkontakt
    6. Streit-Theater
    7. Nasenstopper
    8. Flaschendrehen
    9. Nein-Kreis
    10. Reihum-Geschichte

Offizielle Buchbeschreibung

Wo Menschen zusammenkommen, gibt es Konflikte. Dennoch ist ein harmonisches Miteinander in einer Gruppe immer möglich, wenn die unterschiedlichen Interessen, Wünsche und Befindlichkeiten der Einzelnen in Einklang gebracht werden können. Kindern fällt es aber gar nicht leicht, die eigenen Gefühle und Wünsche zu benennen. Diese 50 Spiele zum Umgang mit Konflikten ermöglichen den Austausch über die jeweilige Gefühlslage, üben den Umgang mit Wut und Aggressionen ein und fördern Zusammenarbeit und Achtsamkeit.

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© André Moritz, www.soft-skills.com